I22 —
feste wirtschaftliche Wertgröße jederzeit anerkennen, zumal er weiß,
daß er sie im Inland jederzeit gegen aller Art Waren oder Leistungen
eintauschen kann. Eine solche Währung würde noch den Vorteil gegenüber
unserer heutigen haben, daß die heute viel beklagte Erscheinung
der Steigerung aller Preise, gemessen am festen Geldwert, schwindet.
Die Tendenz der Steigerung aller Warenpreise rührt ja zu einem Teil
her von relativ steigenden Aufwendungen für die Volksernährung bei
steigender Bevölkerungszahl und Beschränktheit des zur Verfügung
stehenden bebaubaren Bodens, zum anderen Teil auf der Erreichung
immer höheren Lohnes seitens der organisierten Arbeiterklassen durch
Streikdruck, sowie erhöhten sozialen Aufwendungen usw. Diese gleichen
Ursachen aber müßten ebenso zu einer Steigerung des Wertes der Einheitsleistung
der Reichspost oder der Eisenbahn führen, wohingegen
sie als Produktionskosten beim Goldbergbau keine Rolle spielen, denn
der Goldpreis ist durch die Notenbankgesetze der großen Staaten fest
bestimmt und hängt nicht von den Gestehungskosten ab, Die Steigerung
der Warenpreise würde also bei einer. derartigen Währung mit einer
Steigerung des Geldwertes parallel gehen. Der Wert des Geldes, an den
Warenpreisen gemessen, würde im großen ganzen der gleiche bleiben,
d, h. eine Schwankung des wahren Geldwertes, der realen Kaufkraft
des Geldes in höherem Maße vermieden werden, als dies heute bei der
Goldwährung der Fall ist. Wenn trotzdem geringere Schwankungen
einträten und dadurch der Etat der Post ins Wanken käme, so könnte
dieser doch noch durch Änderungen der Gebühren in den anderen nicht
der Notenfundierung dienenden Geschäftszweigen, Telephon-, Telegramm-,
Postanweisung-, Postscheckverkehr ins Gleichgewicht gebracht
werden, Auch stände dazu der Zinsgewinn aus den ausgegebenen Geldzeichen
hilfsweise zur Verfügung‘, Ich glaube, es erübrigt sich,
kritisch auf diesen Plan irgendwie einzugehen,
Auf die neuerdings erschienene Broschüre von Hahn komme ich
am Schlusse meiner Arbeit noch zurück,
Erst kurz vor Abfassung dieser Arbeit ist ein umfangreiches theoretisches
Werk zur Geldlehre erschienen: Stephinger, Wert und Geld
(Tübingen 1918), auf das ich an dieser Stelle nicht mehr eingehen kann.
Seine praktischen Vorschläge laufen auf eine Trennung der inneren
und äußeren Geldpolitik hinaus, die auch in einer äußerlich erkennbaren
Unterscheidung der Noten hervortreten soll. Er schlägt vor „die
Schaffung eines Inlandsverrechnungsgeldes in Gestalt von Inlandsnoten,
durch Wechsel und vielleicht auch Lombard gedeckt und uneinlöslich,
für diejenigen Geldzwecke, die mit Verrechnungsmitteln und
dem Scheidegeld nicht erreicht werden können. Und daneben eine