Full text : Über Fragen des Geldwesens und der Valuta während des Krieges und nach dem Kriege

verkehr mit jedem europäischen Staate, außer Schweden, abgeschlossen,
wodurch ein Mangel an allen europäischen Produkten, die England
für seine Fabriken und Flotte gebrauchte, entstand. Um dieselbe Zeit
begannen auch die Streitigkeiten mit den Vereinigten Staaten von
Nordamerika, woraus zuerst eine förmliche Aufhebung des Verkehrs,
dann ein Krieg entstand. Anfang 1809 hatten die politischen Hindernisse
der Einfuhr ihren Höhepunkt erreicht, die Preise stiegen damals auf
eine enorme Höhe, z. B. für Hanf von 58 £ pro Tonne im Sommer 1807
auf 118 £ im Laufe von 1808, und Flachs aus ähnlichen Gründen von
68 £ auf 142 £; Bauholz aus Memel, das 1806 und 1807 zwischen 3 £
z3 sh. und 8 £ 10 sh. varliert hatte, stieg auf 17 £ pro. Last; Bretter
und andere Sorten Holz im Verhältnis. Leinsaat von 43 auf 150 sh,
pro Quarter und russischer Talg von 53 auf 112 sh. pro Zentner?).
Das Disagio der Noten war im Jahre 1809 von 2% bis 3% in
wenigen Monaten auf 13—14% gestiegen. Der Wechselkurs auf Hamburg
 stand im Juli 1809 auf 28 sh. 6 d. (Parität 34 sh.), auf Paris im
August 1809 auf 20 Fr. I ct. (Parität 25 Fr.). Dieser Stand der
Wechselkurse erregte großes Aufsehen. Die Ursache wurde zu ergründen
 gesucht und in dem darüber entstandenen Meinungsstreite
traten sich zwei Richtungen schroff gegenüber.
Die eine Richtung behauptete, daß die Steigerung der Preise
und das Fallen der Wechselkurse durch den inneren Zustand des
englischen Geldwesens verursacht sei. Infolge übermäßiger
Ausgabe der englischen. Banknoten sei eine Entwertung des englischen
 Geldes eingetreten. Diese habe das Steigen des Goldgeldes,
 die Steigerung der Preise und das Fallen der Wechselkurse
bewirkt. — Die andere Richtung bestritt, daß der Zustand des
englischen Geldwesens irgendwie an einer dieser Anomalien beteiligt
sei; sie seien lediglich auf die Verhältnisse des auswärtigen Handels
und der Zahlungsbilanz zurückzuführen. Da infolge der dringenden
Goldausfuhr das Gold selten und knapp geworden sei, habe es einen
hohen Wert erlangt, wie viele andere Waren auch, aber das Papiergeld
sei nicht entwertet gewesen, sondern die Banknotenausgabe habe sich
durchaus in den für den Zahlungsmittelverkehr Englands notwendigen
und berechtigten Grenzen gehalten. Die Preise seien gestiegen infolge der
durch die Absperrung entstandenen Warenknappheit, aber nicht durch
Geldentwertung. Die Vermehrung der Noten sei die notwendige Folge
der gestiegenen Preise gewesen, aber nicht umgekehrt, und ebenso habe
die Steigerung der Wechselkurse nichts mit einer Geldentwertung zu tun,
sondern nur mit der ungünstigen Zahlungs- und Handelsbilanz Englands.
7 9 Vel. Tooke, a. a. O0. SS. 127.
            
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