29
Schulstaub abschüttelt und in das Leben eintritt, sei es, daß or sich
a»ınem akademischen Beruf widmen will und die Universität bezicht,
zei es, daß er zur Ausbildung in einem praktischen Beruf die Schulbank
mit den Kontorsessel vertauscht oder was für Möglichkeiten
sonst noch immer vorliegen. Ledig des Schulzwanges und meist
auch entzogen der elterlichen oder sonstigen autoritativen Aufsicht
werden die jungen Leute nur zu leicht ein Opfer der gewonnenen
Freiheit — es ist schon viel, namentlich in der letzten Zeit, über
liese, dem angehenden Manne von allen Seiten drohenden Gefahren
geschrieben, so daß sich ein weiteres Eingehen erübrigt. Dazu kommt
bei vielen das anstrengende Einarbeiten in die neue Berufstätigkeit,
eine oft vom Morgen bis zum Abend mit kurzer Mittagszeit dauernde
Arbeit, ohne die bei noch so reichlichen Schularbeiten immer mög-'ichen
Ruhepausen nach eigener Wahl; auch pekuniäre Schwierigkeiten
mögen bei dem einem oder andern zeitweise eine zweckmäßige Ernährung
hintanhalten, ungünstige Wohnungsverhältnisse kommen vielfach
hinzu, alles Momente, welche die körperliche Entwickelung zu
schädigen und bei längerer Einwirkung auch einen von Hause aus
widerstandsfähigen Organismus zu schwächen geeignet sind. Natürlich
kann alles dies nicht für jeden einzelnen Fall als Regel aufgestellt
werden, auch hat sich in letzter Zeit insofern schon ein er-Ireulicher
Umschwung bemerkbar gemacht, als gerade auch in den
höheren sozialen Schichten durch die Ausbreitung von sportlichen
Vebungen aller Art ein Gegengewicht gegen die Schädigungen des
sonstigen Lebens geschaffen wird — daß aber die besprochenen Verhältnisse
vielfach obwalten, wird keiner leugnen können.
Auch ist zu berücksichtigen, daß in der Zeit nach dem Schulabgang
vielfach mehr Gelegenheit gegeben ist zu äußeren Verletzungen
and Körperschädigungen, als während der Schulzeit selbst. Endlich
ist noch eines Punktes zu erwähnen: je länger die Zeit nach Beendigung
des Schulbesuches ist und je mehr die jungen Leute eines
in ihre Lebensweise tief einschneidenden Zwanges entwöhnt, je mehr
sie ferner mit ({ortschreitendem Lebensalter körperlichen Anstrenzungen
entfremdet sind, um so geringer wird die eigene Neigung
sein, sich den Beschwerden des Dienstes aussetzen zu sollen. Natürlich
wird das auf das Ergebnis der militärärztlichen Untersuchung
und das Urteil, ob tauglich oder nicht tauglich, im allgemeinen keinen
Einfluß ausüben — es ist aber doch denkbar, daß in Fällen, welche
hinsichtlich der körperlichen Tauglichkeit auf der Grenze stehen, der
Untersucher auch derartige Ueberlegungen nicht ganz außer Acht
lassen kann, und daß der Militärpflichtige selbst geringe Fehler und