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der Zeit die beantragte Summe wieder zu ersetzen, so
wird sie ihm nur unter der Bedingung ausbezahlt, daß
er je nach seiner Leistungsfähigkeit wöchentlich eine
besondere Einlage von 0,50 bis 2 dH in die obliga
torische Sparkasse leistet. Dieses Verfahren hat sich
außerordentlich bewährt; es verhindert leichtsinniges Geld
ausgeben, der Sparer verzichtet entweder auf die Aus
zahlung oder er füllt sein Guthaben nach so und so langer
Zeit wieder auf.
Die Erfahrungen, die meine Eirma mit diesem
Systeme der Zwangssparkasse gemacht hat, sind im Laufe
der vielen Jahre nur die allerbesten gewesen. Das be
weist in erster Linie die jährliche Zunahme des Bestandes
der Sparkassen. Bei einer augenblicklichen Arbeiterzahl
von 476 Köpfen, einschließlich der Invaliden, betrugen
die Einlagen in die Sparkassen am 31. Dezember 1912
727600 oH. Von dieser Summe sind rund 100000 oft
Guthaben früherer Arbeiter abzurechnen. Die verbleiben
den 627 000 dl verteilen sich mit 402000 dl auf die obliga
torische, 225000 d'l auf die freie Sparkasse. Das durch
schnittliche Guthaben pro Kopf beträgt demnach in der
obligatorischen Sparkasse 850 dl, in beiden Kassen zu
sammen 1300 di- Wenn man bedenkt, daß die Llälfte
der Arbeiterschaft aus Mädchen besteht, die zum größten
Teile nach acht- bis zehnjähriger Beschäftigung die Arbeit
wegen Heirat verlassen, so darf man diesen Durch
schnittssatz als recht hoch bezeichnen. Tatsächlich hat
auch ein sehr großer Teil namentlich der männlichen
Arbeiterschaft die 2000-oÄ-Grenze erreicht und ist somit
des Sparzwanges enthoben. Aber so erzieherisch hat dieser
Zwang gewirkt, daß auch nicht ein einziger Arbeiter
nicht in der bisherigen Weise weiter spart. Sie zahlen
alle ihre wöchentlichen Einlagen in die freie Sparkasse
weiter ein und sammeln damit einen zu ihrer freien Ver
fügung stehenden Fond an, den sie auch ohne Genehmi
gung des Ältestenrats angreifen können. Bis dieses er
strebenswerte Ziel erreicht ist, steigt und fällt die Kurve
des Guthabens bei den Einzelnen je nach dem Lebensalter.
Vom Eintritt in die Fabrik bis zur Militärzeit nimmt das
Sparguthaben bei Einlagen von 10% des verdienten
Lohnes schnell zu, die Dienstzeit und die Neuausrüstung
für den zivilen Beruf erfordert wieder einige Entnahmen,
worauf bis zur Verheiratung die Sparbüchse sich zu einer