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jektiven öffentlichen Rechte entspräche natürlich eine correlate
Arbeitspflicht des Begünstigten. Auch müssten selbstver-
ständlich Organe geschaffen werden, die den Umfang dieser
Arbeitspflicht zu bestimmen und zu entscheiden hätten, ob die
Voraussetzungen für die Gewährung des Reechtsanspruches vor-
handen seien. Die wichtigste dieser Voraussetzungen. wird wol
die Feststellung der un verschuldeten Arbeitslosigkeit sein !).
Dadurch, dass das Recht auf Arbeit einen erforderlichen Falles
selbst eine Klage begründenden Rechtsanspruch erzeugt, unter-
scheidet es sich durchgreifend von dem Rechte auf Unter-
stützung (droit A Vl’assistance), mit dem es häufig verwechselt
worden ist?)., Beim Rechte auf Unterstützung, das übrigens
Institutionen zu benutzen, also dem Individuum positive Ansprüche gewährt,
erkennt er ihm den positiven Status, den status civitatis zu, der als
die Basis für die Gesamtheit staatlicher Leistungen im individuellen Interesse
sich darstellt (p. 81 und 82). Fasst man die aus dem positiven Status ent-
springenden rechtlichen Ansprüche in eine gemeinsame Formel zusammen, so
ergibt sich für den Einzelnen die rechtlich geschützte Fähigkeit, positive
Leistungen vom Staate zu verlangen, für den Staat die rechtliche Verpflich-
tung, im Einzelinteresse thätig zu werden... Da ein positives Thun des
Staates den Inhalt derartiger Ansprüche bildet, so ist Alles, was Objekt staat-
lichen dare facere praestare ist, mögliches Objekt individueller Forderung.
Wie nach Form und. Inhalt die privatrechtlichen Obligationen sich gliedern,
30 auch die öffentlich-rechtlichen des Staates, Es ist aber keineswegs der
geichtum privatrechtlicher Rechtsgeschäfte irgendwie mit dem der staatlichen
Obligationen zu vergleichen. Vielmehr. sind die staatlichen Leistungen im
rechtlich anerkannten Individualinteresse einfach identisch mit den Kategorien
der richterlichen und Verwaltungsakte überhaupt. Man kann die staatlichen
Obligationen daher einteilen in Ansprüche ‚auf N Keirtaneen des Gerichtes und
der Verwaltung (p. 115 u. 116), — Das Recht auf Arbeit, als positives
Statusrecht aufgefasst, würde selbstverständlich einen gegen die Ver-
waltung gerichteten Anspruch enthalten.
1) Vgl. dazu Adolf Wagner, Lehr- und Handbuch der politischen
Vekonomie, 2. Halbband, Leipzig 1893, p. 698.
2) Siehe die heftige Polemik gegen dieses Rechtsprincip,in dem Aufsatze
von L. Villerm6&, fils: Le droit 4 Vl’assistance, Journal des. Economistes 1849,
Bd. 22 p. 139—155. „Proclamer le droit au travail et ä l’assistance, c’est re-
sonnaitre ä l’Etat le droit de contröle et de surveillance sur lemploi de nos
iacultes, sur nos besoins et sur nos ressources; C'est en un mot, renoncer ä
aotre libert6..... Ni le droit au travail ni le droit ä l’assistance ne peuvent
ttre fondes en rien devant la loi. Chacun de nos devoirs sociaux 8a pour
sorrelativ un droit social, qui n’est, ä bien dire, que sa contre-partie; mais
somme le tfravail et V’assistance ne sont que des devoirs moraux et non pas
des devoirs sociaux dont l’oubli soit pacsihie de mesures de rigueur, ils ne
correspondent qu’ ä des droits du möme genre, done purement moraux,
un seraient souverainement injuste de traduire en droits sociaux ä ins&rer
ans nos lois politiques et A proteger par des causes exigibles dirigees, soit
ontre la societe tout entiere soit, contre quelques-uns de ses ımnembres en par-
ticulier“ ..... Vgl. auch die Ausserung der Proudhon’schen Zeitschrift Le
Peuple v. 11. März 1849 No. 111: „Vous avez inserit dans la constitution le
droit ä Vassistance, c’est A dire le droit ä 1’aumöne. Le Nr est aussi logi-
cien que vous. Il regarde le pain que les municipalites Iui distribuent, non
comme un secours fempnoraire ct de bienfaisance, mais comme un droit.“