Die Autofabrik von Nischni-Nowgorod. 259
Alle Unzulänglichkeiten werden als Selbstkritik offen mitgeteilt. Dadurch
soll gerade die Energie der am Bau Beteiligten aufgepeitscht und
aufgestachelt werden. Dabei ist zu beachten, daß den Parteiorganisationen
eine entscheidende Rolle zuerteilt wird. Die von Arbeiterkorrespondenten
verfaßten Berichte schließt eine Beschreibung der Wohnungs-Verhältnisse
ab, die beweist, unter welchen Opfern die neuen Industrieanlagen
errichtet werden:
Zwei bis drei Kilometer von der Autofabrik entfernt wird die
Sozialistische Stadt des Werkes gebaut. Hier soll ein Arbeiterzentrum
von 40000 bis 50000 Einwohnern entstehen. Aber schon
heute macht die Autofabrik eine außerordentliche Wohnungsnot
durch. Es kommen ständig Gruppen von Arbeitern und Spezialisten
für den Bau an, es werden ausländische Arbeiter erwartet, aber
man kann sie nirgendwo ansiedeln. In den vorhandenen Baracken
sind 12200 Arbeiter verteilt. Nach zwei bis drei Monaten werden
beim Bau 35000—40000 Arbeiter beschäftigt sein. Wo soll man
Sie ansiedeln?
_ Man muß unbedingt die Bautätigkeit erweitern. Im ersten Vierteljahr
ist eine Wohnfläche für 1520 Menschen fertiggeworden. Im
Zweiten Vierteliahr soll eine für 6000 fertig werden. Man muß
dabei gestehen, daß dieser Voranschlag, der schon an sich ungenügend
ist, durch das Material nicht gesichert wird. Der Bau
der ersten Häuser sollte zum 1. November 1930 fertig werden.
Aber 30 Häuser sind erst zur Hälfte gebaut, 8 Häuser von eineinhalb
bis zwei Stock sind nicht einmal im Rohbau fertig. ... In
den Zimmern sind Türen eingesetzt, die an sich für die Toiletten
bestimmt waren. Die Wasserleitungen und Kanalisationen
werden schlecht angelegt. Bei der Planung sind weder die
Wasserleitungs- noch die Kanalisationsarbeiten in Anschlag gebracht
worden.
Die Häuser sind furchtbar überfüllt. Im Hause Nr. 1 liegen statt
250 Einwohnern 400. In den Häusern, die bereits benützt werden,
gibt es bis heute weder Toiletten noch Wasser, in einigen Häusern
fehlt sogar Licht....
Das Haus der Kultur: Der Plan sollte zum Februar fertig
werden, aber bis heute ist nichts getan. Man hat vor, ihn erst
Ende Juli fertigzustellen. Die Schule: Sehr viele Projekte sind
vorhanden, aber keines ist endgültig angenommen. Das Volksaufklärungskommissariat
schlug vor, das Typenproiekt von Magnitostroi
zu gebrauchen, aber die Bezirksbehörde hat das abgelehnt
und ihr Proiekt vorgelegt. Eine Brigade des marxistisch-leninistischen
pädagogischen Instituts kam aus Moskau angefahren. Sie
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