Ausdehnung des Tabakgenusses in Curopa 9
und der Tabakhandel machten in der Solge riesige Fortschritte
trotz der mehrmaligen Erhöhung der Abgaben. Von England
gelangte die Rauchsitte nach Holland und Belgien, und
zwar nicht allein durch die Seeleute, sondern auch durch englische
Studenten, welche in großer Sahl die damals berühmte Univer—
sität Leiden besuchten. Schon im Jahre 1610 bestand in holland
ein ausgedehnter handel in Tabak, welcher aus Mittel- und
Nordamerika eingeführt wurde. In Frankreich wurde das
Tabakrauchen zu Beginn des 17. Jahrhunderts unter Cud—
wig XIII. bekannt. Nach der Eroberung der Antillen wurde
der Tabak von dort bezogen. Im Jahre 1629 erhob die Re—
zierung eine Abgabe von 30 Sous pro Pfund, und im Jahre
1635 wurde der öffentliche Verkauf verboten, um den Tabak—
genuß zu unterbinden. Nur die Apotheken durften Tabak verab—
reichen, und zwar auch nur auf ärztliche Verordnung. Als unter
Cudwig XIV. das Verbot wieder aufgehoben wurde, nahm der
Derbrauch, besonders unter den Matrosen und Soldaten, schnell
zu, und in der Folgezeit wurde während der Feldzüge den
soldaten Tabak geliefert, um sie bei guter Stimmung zu er—
halten. Unter Colbert wurde 1674 das Tabakmonopol einge—
führt, welches den Staatskassen bald einen jährlichen Pacht—
schilling von einer halben Million Livres einbrachte. Nachdem
das Tabakmonopol im Jahre 1789 aufgehoben, wurde es unter
Napoleon J. im Jahre 1811 aufs neue eingeführt, in eigener
Staatsregie hetrieben und dabei auch die Herstellung von Si—
garren aufgenommen.
Während des Dreißigjährigen KUrieges wurde in Deutsch—
land das Tabakrauchen durch englische Soldaten bekannt, welche
im Jahre 1620 dem König Friedrich von Böhmen als hilfs—
truppen dienten. Nach dem Westfälischen Frieden wurde eine
Zeitlang von weltlichen und geistlichen Regierungen gegen das
Tabakrauchen geeifert und dieses teilweise mit hohen Strafen
—B
einem Berichte an das Konsistorium im Jahre 1667: „Wenn
die Bauern in der kleinen Kirche vor dem Pfarrer sitzen und
atmen, geht ihm von ihrem Tabaksaufen ein solcher Gestank
entgegen, daß er meint, er müsse davongehen.“ Von Deutschland
gelangte das Tabakrauchen in die Schweiz. Im Jahre