Full text : Versuche zur Einbürgerung der Seidenindustrie und des Seidenbaues in Mecklenburg

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günstigen Momente etwas zu erreichen. Auf der anderen Seite sind
die Geduld der Herzöge, die Pflichttreue der Kammerbeamten be—
wunderungswürdig, die nicht ermüden, die merkwürdigsten Projecte,
deren Kernpunkt die Bewilligung von Vorschüssen bleibt, sich aufs
Neue vortragen zu lassen und zu prüfen. Man kann diese Erscheinung
nur erklären durch die geringe Unternehmungslust und die große
Mittellosigkeit der einheimischen Gewerbetreibenden und Geschäftsleute,
die, in den Fesseln des Zunftwesens befangen, für die Regungen der
neueren Zeit kein Ohr hatten. Der Ruf von dem Inleresse und
Verständniß, das unsere Landesherren der aufkeimenden Industrie
schenkten, mußte weit gedrungen sein, wenn beständig Fremdlinge mit
ihren Projecten auftauchten.
Was das vorige Jahrhundert uns versagte, das laufende brachte es.
Als in den zwanziger Jahren allmählig sich in Deutschland erneutes
lebhaftes Interesse für den Seidenbau zeigte, in Bayern, in Baden,
in Preußen erfolgreiche Versuche gemacht und Vereine zu seiner Ve—
förderung gegründet wurden, da hat man auch in Meklenburg erreicht,
was man so lange vergeblich anstrebte. Die erste Anpflanzung von
Maulbeerbäumen geschah zu Dabelow im Strelitzschen im Jahre 1882
auf einer vom Kammer- und Forsteollegium zu diesem Zwecke her—
gegebenen Forstackerfläche von ungefähr 200 Duadratruthen. Aber
die Bäumchen wollten hier nicht gedeihen. Einige Jahre später
— 1837 — pachtete der Lehrer Barteld in dem genannten Orte
eine Kirchenwörde von derselben Größe mit sehr gutem schwarz—-lehmigen
 Boden, und hier gelang die Anpflanzung vollkommen, die
einen sehr lohnenden Betrieb des Seidenbaues ermöglichte.“) In
Ludwigslust interessirte sich die Erbgroßherzogin Alexandrine für das
Aufkommen dieses Industriezweiges und veranlaßte, daß der Gärtner
Benque nach Klein-Glienike bei Potsdam geschickt wurde, um sich
dort unter der Leitung des Regierungs- und Schulraths von Türck
in dem Seidenbau unterrichten zu lassen. Nach der Rückkehr von
dort veröffentlichte der junge Mann 1834 im Freimüthigen Abend—
blatt) einen Aufsatz, in dem er die zu erwarlenden Vortheile der
neuen Kultur auseinandersetzte und trieb die Seidenraupenzucht, wenn
auch in bescheidenem Umfange, mit dem Laube von Bäumen, die im
Seminargarten zu Ludwigslust standen.ꝰ)
In größerem Maßstabe — soviel bekannt ebenfalls seit 1832 —
machte Herr Behm in Boizenburg Anpflanzungen von weißen Maulbeer⸗

) Zur Förderung des Seidenbaues, S. 29.
Bo i6. Rr e
) A. a. O., Bd. 20, Nr. 10, 11.
            
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