Full text : Wirtschaftsführung und Finanzwesen bei den englischen Eisenbahnen

IV. Die Haushaltswirtschaft

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Zum Verständnis der weiteren Darlegungen muß schon hier
erwähnt werden, daß die englischen Eisenbahnen wöchentlich einen
Ausweis ihrer Einnahmen veröffentlichen (siehe Seite 9), und daß
deshalb das Finanzsystem zum Teil auf Wochen und auf Vierwochenabschnitte
 statt auf Monatsabschnitte aufgebaut ist.
Für die Einnahme wird die Schätzung nach Wochenabschnitten,
getrennt nach Personenverkehr, Güterverkehr (unterteilt nach
Kohlen- und Koksverkehr und sonstigem Güterverkehr) und Gesamtverkehrseinnahmen,
 aufgestellt. Sie gründet sich auf die Erfahrung
früherer Jahre und die Erwägungen über die voraussichtliche Entwicklung
 des Verkehrs. Hundertsätze für den Anteil der einzelnen
Wochen- oder der Vierwochenabschnitte am Gesamtjahresaufkommen
 (Saisonkennziffern usw.) bestehen nicht, eine Frage, mit
der wir uns in Deutschland sehr lebhaft beschäftigen.
Für die Schätzung der Ausgaben wird ähnlich vorgegangen wie
bei uns. Es wird zunächst das Programm der Betriebs- und Verkehrsleistungen
 für das künftige Jahr festgelegt. Außerdem fordern
die einzelnen Abteilungen von ihren Unterstellen genaue Programme
ein, die sie zunächst prüfen, gegebenenfalls kürzen und dann zusammenstellen.
 Diese Zusammenstellungen werden zu einer Schätzung
der Ausgaben nach Vierwochenabschnitten vereinigt. Es findet
dann eine Erörterung mit den Organen des Finanzdienstes statt,
dabei wird die Höhe der beabsichtigten Ausgaben unter Umständen
kritisiert und die endgültige Schätzung festgestellt. Es ist auffallend,
daß bei den Erörterungen in diesem Zusammenhange immer betont
wurde, daß den technischen Departments damit ihre Verantwortung
für die Sicherheit des Betriebes nicht genommen werden dürfe.
Die so entstandene Schätzung hat nicht den Charakter einer
Bindung der Abteilungen gegenüber dem finanziellen Dienst oder
der Leitung. Es liegt aber ein gewisser moralischer Zwang vor,
diese Schätzungen einzuhalten.
Auf Grund dieser Schätzungen teilen die Abteilungen den
ihnen unterstellten Stellen mit, welche Abstriche (oder Zusetzungen)
sie in den Anmeldungen vorgenommen haben. Nach Ablauf
jedes Vierwochenabschnittes werden die tatsächlichen Ergebnisse
(siehe Seite 9) mit den Schätzungen verglichen und gegebenenfalls
die Abweichungen von der Schätzung besprochen.
Bei Änderungen der Lage im Laufe des Jahres findet auf Grund
dieser Ergebnisse eine Erörterung darüber statt, inwieweit die
Schätzung und damit das Ausgabeprogramm abgeändert werden
ann.
Im Jahre 1926 wurden z. B. nach Beginn des Kohlenarbeiterstreikes
 die Ausgabeprogramme mit Rücksicht auf den Rückgang
            
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