Es besteht unzweifelhaft ein Gefühl der amerikanischen
Solidarität, das alle Republiken des Kontinents, wenn auch
nicht eint, so doch untereinander verbindet. Das Studium der
Ursachen und des Hervortretens dieser Solidarität, die Ergründung
der historischen Anfänge und die Zusammenfassung
der genannten Tendenzen als Faktoren, nicht nur der rein
amerikanischen, sondern der Weltpolitik, haben den Vorwurf
für Forschungen vieler Geschichtschreiber, Rechtsgelehrter
und Staatsmänner gebildet und werden in Zukunit
zu den Tatsachen und Problemen von eindringlicher Bedeutung
rehören.
Die geistige Atmosphäre, die Geschichte, die Sprache, die
Überlieferungen und Gebräuche der verschiedenen amerikanischen
Länder sind so mannigfaltig, die Entfernungen untereinander
so bedeutend und ihrer aller Verbindungen mit
Europa so zahlreich, innig und ausgedehnt, daß transzendentale
Ereignisse diese heterogenen Elemente genähert
haben müssen. Der große Krieg, der eine Ablenkung der edelsten
und fruchtbarsten Kräfte Europas hervorbrachte, hat
Lösungen gereift und überstürzt, deren Folgen sich bald und
mit wachsender Wichtigkeit im internationalen Leben fühlbar
machen werden,
Was wirklich und was scheinbar in der amerikanischen
Solidarität enthalten ist, das Ursprüngliche ihres Kernes und
das künstlich durch Afterinteressen und ehrgeizige Begierden
Hinzugetragene, zeigt uns die Geschichte. Es ist schon häufig
darüber geschrieben worden, und es ist dennoch nicht das
letzte Wort gesprochen, noch hat man alle Archive der Allgemeinheit
zugänglich gemacht, auch sind noch nicht sämtliche
Gesichtspunkte beleuchtet worden. Der Verfasser beschränkt
sich darauf, in dem kleinen ihm zur Verfügung stehenden
Rahmen einige hauptsächliche und besonders hervortretende
Momente der komplizierten Entwicklung zu zeigen, wie sie
den der amerikanischen internationalen Konferenz von 1889
vorhergehenden Epochen entsprechen. Die vorliegende Skizze
möge als Einführung, vielleicht auch als Kommentar, für die