Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

XII

Vorwort  zur  vierten  Auflage.

oder  gar  dreihundert  Millionen  Franken  durch  neue  Anlehen
aufbringen  zu  können  —  völlig  ausser  Stand  sei,  irgend  einen  Feldzug ­
  zu  unternehmen,  —  so  wäre  diese  Ansicht  hei  einer  Fortdauer
der  früheren  Verhältnisse,  wenn  auch  wol  etwas  ühertriehen,  doch
gewiss  nicht  so  unbedingt  unrichtig  gewesen,  wie  sie  sich  alshald
erwies,  als  dem  französischen  Kaiser  auf  seine  Anlehensausschreihnngen
  Milliarden  zuströmten.  Was  eine  kaum  hegreitliche  Schnelligkeit ­
  im  Anhäufen  neuer  Schulden  hetrifft,  so  haben  die  ohengenannten
  Staaten  Frankreich,  Spanien,  Oesterreich,  Russland  und
Italien  gewiss  Ausserordentliches  geleistet  ;  sie  sind  aher  doch  noch
ühertroffen  worden,  nnd  zwar  durch  einen  Freistaat,  —  durch  die
allerdings  gewaltige  und  unherechenhare  Reichthümer  in  sich
schliessende  Union  in  der  neuen  Welt.  —  Eine  vollständige  Vergleichung ­
  der  jetzigen  Finanzverhältnisse  mit  denen  zu  Zeiten  des
Kaisers  Karl  V.  in  Reziehung  auf  Schuldaufhäufung  ist  nicht  möglich, ­
  weil  es  damals  überhaupt  noch  keinen  Staatscredit  in  der  heutigen ­
  Bedeutung  des  Wortes  gab;  —  gleich  sind  die.Verhältnisse
nur  in  Beziehung  auf  die  vielfach  herrschende  Geldverlegenheit ­
  der  grossstaatlichen  Regierungen.  —  Uehrigens  muss  hier
allerdings  erwähnt  werden,  dass  in  der  Neuzeit  wenigstens  zum
The  il  auch  ein  Aufwand  für  nützliche  jnoductive  Zwecke  (z.  B.
Eisenbahnanlagen)  stattfindet,  wie  nie  zuvor.
Das  Sinken  des  Geldwerthes  und  der  angeregte  Specailationsreiz
hat  u.  a.  wesentlich  die  Herstellung  der  vielen  Eisenbahnen
ermöglicht  u.  thatsächlich  bewirkt.  Ohne  diese  Momente  würde
man  an  die  Erbauung  gar  mancher  Schienenwege,  die  heute  in
blühendem  Betrieb  stehen,  viele  Gegenden  gleichsam  befruchtend,
wol  noch  lange  nicht  ernstlich  zu  denken  gewagt  haben.
Es  bedarf  keines  besonderen  Nachweises,  dass  die  Ei  Seilbahnen ­
  wie  die  Telegra])hen  zu  den  weltumgestaltenden  F  actor ­
  en  gehören.  Wir  brauchen  ihre  Wichtigkeit  für  Industrie  und
Handel,  Völkerverhindung  und  Culturverbreitung  nicht  erst  umständlich ­
  zu  entwickeln.
Anf  ein  Einzel-Moment  hinzuweisen  sei  uns  indess  doch  gestattet, ­
  da  es  gerade  in  den  letzten  .labren  zum  erstenmal  in  völliger ­
  Allgemeinheit  hervortritt.  Wir  meinen  das  ungeheuere  Wachsen ­
  der  Gressstädte.  Der  ganze  Zug  der  Verhältnisse  fördert
das  Streben  der  (Orneentration  an  denjenigen  Orten,  welche  bereits
Mittel-  und  Ccntralisationspunkte  bilden  ;  die  Eisenbahnen  begünstigen ­
  aber  ganz  besonders  diese  Strömung  der  Zeit.  Allerdings
muss  jedes  Städtchen,  das  nicht  in  Verfall  gerathen  will,  streben,
einen  Schienenweg  in  seine  Nähe  zu  bekommen,  l'äuschung  ist  es
aher  zu  glauben,  dass  alle  Orte  von  dem  neuen  Verkehrsmittel  einen
gleichen  Nutzen  ziehen  könnten.  Es  war  desswegen  ein  Fehler,  wenn
man  die  Bahnen  häufig  auf  Umwegen  geführt  und  an  unbedeutenden
Flecken  oder  I  lörfern  K  notenpunktegeschaffen  hat.  1  )iese  1  ‘lätze  blieben ­
  unbedeutend.  Man  konnte  den  Verkehr  erschweren  und  hemmen, ­
  den  Brennpunkten  desselben  überhaupt  einen  mehr  oder  weniger ­
  grossen  Theil  des  natürlichen  Aufschwungs  entreissen  ;  was  man
            
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