Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

ITALIEN.  —  Finanzen  Finanzgeschichtliche  Notizen).  329
ganzen  Lande.  Staatsgüter  im  Werthe  von  2  Mill,  wurden  ihm  um
100,000  Lire  verkauft.  Für  sich  selbst  Hess  der  Herzog  die  Auflagen
erhöhen,  ordnete  Zwangsanlehen  an,  zog  das  Vermögen  der  Wohlthätigkeitsanstalten
  ein,  und  liess,  um  in  den  Besitz  des  sämmtlichen  Metallgeldes ­
  zu  gelangen,  Schatzbons  mit  Zwangscurs  ausgeben  ;  was  er  auftreiben ­
  konnte  legte  er  im  Auslande  an.  Nach  Ermordungs  des  Herzogs ­
  (27.  März  1854)  verwandelte  seine  Gemahlin,  nun  Regentin,  das
gezwungene  in  ein  freiwilliges  Anlehen  von  2  Mill.  Lire  und  hob  die
Verordnung  wegen  Einziehung  des  Vermögens  der  Wohlthätigkeitsanstalten
  auf.
c)  Modena.  Die  Finanzverwaltung  ward  geheim  gehalten.
d)  Toscana.  In  den  1850er  Jahren  hatte  die  Regierung  meist
mit  einem  Deficit  zu  kämpfen,  herbeigeführt  durch  die  Unterhaltskosten
der  österr.  Truppen  (1855  veranschlagt  zu  2’343,734  toscan.  Lire).
Das  Budget  für  1859  schloss  übrigens  ab  mit  39’866,400  Einn.  und
39  781,300  Ausgabe.  Eine  Veröffentlichung  des  Finanzministers  vom
ISIärz  I860  (nach  Vertreibung  des  Grossherzogs)  berechnete  die  Einkünfte ­
  für  1859  zu  33’487,770,  für  1860  aber  zu  81’608,783,  mit
entsprechenden  Ausgabesummen.  Vor  der  Revolution  habe  das  Militär
6  990,732  gekostet,  1860  seien  23*417,229  Lire  dafür  erforderlich.  Der
Minister  fügte  bei  :  wenn  die  nächsten  Folgen  der  Revolution  überstanden ­
  seien,  werde  man  etwa  41  Mill.  Einkünfte,  dagegen  55  Mill.  Bedarf ­
  haben.
e)  Beide  Sicilien.  Der  König  von  Neapel  erkaufte  1796  von
Frankreich  den  Frieden  um  8  Mill.  Franken.  Um  die  Mittel  dazu  aufzutreiben, ­
  musste  Jedermann  seine  silbernen  und  goldenen  Gefässe  abliefern ­
  gegen  Papiergeld,  das  schnell  auf  */,  seines  Nennwerthes  herabsank. ­
  Ausserdem  bemächtigte  sich  die  Regierung  des  Eigenthums  der
7  Banken,  und  erhob  ausserordentliche  Zwangssteuern  ('/,o  vom  Einkommen). ­
  Als  der  Hof  nach  Sicilien  floh,  konnte  er  für  20  Mill,  edle
Metalle  mit  sich  führen.  —  Mit  der  Restauration  (unter  den  Gräueln
der  Banden  des  Cardinals  Ruflb)  kehrten  auch  die  Verschwendungen
der  Königin  Caroline  und  ihres  Gttnstlings  Acton  zurück.  Als  der  letzte
1804  auf  Napoleon’s  Dictât  vom  Ministerium  entfernt  ward,  erhielt  er
Domänen  mit  30,000  Ducati  Ertrag  geschenkt.  In  noch  viel  grösserer
Ausdehnung  verschleuderte  Napoleon  auch  hier  die  Domänen.  Bei  Einsetzung ­
  des  neuen  Königs  behielt  er  sich  die  Verschenkung  von  neapolit.
Staatsgütern  mit  einem  Jahresertrage  von  einer  Million  vor.  In  der
Napoleon’schen  Constitution  von  1808  war  für  den  König  eine  Civilliste
von  1*032,000  Ducati  bestimmt.  Die  Staatsbedürfnisse  wurden  für  1808
auf  12  700,000,  die  Einkünfte  nur  auf  5*700,000  Ducati  berechnet;  zur
Deckung  des  Deficits  sollte  ,  unter  Aufhebung  der  Zehnten  und  Frohnden,
  eine  Grundsteuer  von  7  Mill,  erhoben  werden.  —  Die  Restauration
der  Bourbonen  kostete  ungeheuere  Summen.  Der  König  versprach  den
Oesterreichern  zum  Voraus  (Vertrag  vom  29.  April  1815)  25  Mill.  Fr.
Kriegsentschädigung.  Sodann  musste  das  Land  dem  Vicekönige  Eugen,
obwol  er  Neapel  gar  nichts  anging,  für  angeblich  anderweite  Ansprüche,
5  Millionen  Franken  »Entschädigung«  bezahlen.  Unter  dem  Titel  von
»  Ausgaben  der  hohen  Politik  «  wurden  ferner  zur  Zeit  des  Wiener  Con-
            
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