Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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SCHWEDEN.  -  Sociales.

Dazu:  28  grosse  Segelschiffe,  mit  527  Kan.  ;  darunter:  5  Liniensch.  von
(52—72  Kan.,  3  Fregatten  von  32—36,  4  Corvetten  von  12  u.  14,  3  Briggs
13  Kanonen-Schooner;  ’
Endlich  die  Sehe  er  en-(Kuder-)  Flotte,  171  Fahrzeuge  mit  250  Kan.  —  Ueberdies
  noch  Transport-  und  andere  kl.  Fahrzeuge.
Darnach  ergibt  sich  eine  Flotte  von  223  Schiffen  mit  9S9  Kanonen.
  —  Indess  würde  es  sehr  fehlgegriffen  sein,  blos  nach  dieser  Grösse
der  Zahl  zu  urtheilen.  So  ist  die  ganze  Segelflotte  alt:  unter  den  Linienschiffen ­
  zählt  das  neueste  40,  das  älteste  S3  Jahre.  Mehre  der  Linienschiffe ­
  haben  sich  seit  20  Jahren  nicht  in  See  befunden,  und  alle
sind  baufällig  (der  S0jährige  »Manligheten«  in  dem  Grade,  dass  er  zum
Abbrechen  verurtheilt  worden  ist).  Fregatten  sind  5  im  Alter  von  35
—  20  vorhanden,  davon  dürfte  nur  die  jüngste  seetüchtig  sein.  Auch
die  kleineren  Segel-Fahrzeuge  sind  fast  alle  dienstunfähig  geworden.
Die  25  Jahre  alten  Segelschiffe  »Stockholm«  und  »Karl  XIV.  Johann«
sind,  ohne  sie  zu  verlängern,  in  Schraubenschiffe  umgewandelt,  und  mit
Maschinen  von  160  und  200  Pferdekraft  versehen  worden.  Das  einzige
wirklich  dienstfähige  Dampfschiff  ist  die  Fregatte  Wan  a  dis  «  von  20
gewöhnlichen  u.  2  ganz  schweren  Kanonen  und  400  Pferdekraft.
Im  Bau  begriffen:  1  kl.  Schraubenfreg.  ,  4  Sehr.-Kanonenboote,  1  sonst.
Schraubenschift  u.  2Käderdampfsch.  —  Die  Segelttotte  zählte  1855  28(5  Fahrzeuge, ­
  worunter  11  Liniensch.  und  8  F  reg.  Die  Mannschaftszahl  ward  damals
zu  14,950  angegeben.
Sociales.  Es  gibt  vier  wesentlich  verschiedene  Stände  :  1  der  Adel,
ist  äusserst  bevorzugt  ;  vor  einigen  Jahren  berechnete  man  :  von  den
2805  Adeligen  im  Mannesalter  haben  340  Civilämter,  870  Officiers-  und
90  Marinestellen  im  Besitze  (nichtadelige  Offleiere  gibt  es  nur  710);
ausserdem  bekleidet  der  Adel  alle  Hofämter  (nur  in  der  Geistlichkeit
sind  fast  alle,  in  der  Justiz  die  meisten  Stellen  mit  Bürgerlichen  besetzt)  ;
das  gesammte  Vermögen  der  2400  Adelsfamilien  wird  auf  71  Mill.Rthlr.
berechnet  ;  Vs  des  Areals  von  Schweden  befindet  sich  in  deren  Besitz  ;
dennoch  verarmt  der  Adel,  und  wird  von  den  Bürgerlichen  überholt  ;  er
sinkt  um  so  mehr,  seit  .Jedermann  Güter  mit  Adelsvorrechten  erwerben
kann.  —  2)  Oeistbchkeit,  gleichfalls  sehr  mächtig.  —  3)  Bürger:  83
Städte  senden  Reichstagsmänner.  —  4)  Dauern  :  sie  müssen  %  der
Staatslasten  tragen,  das  Provincialheer  (Indelta)  unterhalten,  und  die
Strassen  bauen  ;  die  Gutszertrümmerung  ist  erschwert,  und  es  bestehen
viele  Feudallasten  *).
Die  Volkszählung  von  1855  ergab,  verglichen  mit  der  von  1805
und  1830  ;

*1  Ein  schwedisches  Blatt  äusserte  :  Unsere  Standesunterschiede  machen
den  Bauer,  wenigstens  den  nichtreichen,  zu  einem  Paria.  Ein  ärgeres  Schimpfwort ­
  als  «Bauer«  kennt  der  Schwede  nicht.  Er  wird  von  Jedermann  mit  einem
verächtlichen  Du  angeredet,  und  er  selbst  hält  Jedermann  für  berechtigt  dazu.
Der  stolze,  schwedische  Adel,  so  stolz  wie  in  keinem  I.ande,  hält  den  Bauer
nicht  höher,  als  man  im  Mittelalter  die  Leibeigenen  hielt.  Neun  Zehntel  der
Volkszahl  Schwedens  bestehen  aus  Bauern,  und  diesen  ist  nicht  ein  Viertel  der
gesetzgebenden  Macht  zugefallen  Die  Stimmenzahl  der  anderen  Stände  auf  dem
Reichstage  ist  dreimal  grösser,  und  sonach  sind  die  Bauern  niemals  im  Stande,
irgend  etwas  selbständig  durchzusetzen,  und  werden  bei  allen  Gelegenheiten
überstimmt.  Daher  denn  auch  die  gesteigerte  Anzahl  der  Auswanderungen.
            
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