Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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GIIOSSBRITANIEN. - Finanzen (Schuld). 
zum Pariser Frieden von 1703 war die Schuld (grossentheils in Folge 
der Unterstützung Friedrich’s II. im siebenjährigen Kriege) bis auf 
138’865,430 JC angewachsen. Sie verringerte sich nun während des 
Friedens um 10’281,794 und betrug beim Ausbruche des amerik. Un 
abhängigkeitskrieges, 1774: 128’583,035. Dieser Krieg veranlasste 
neue Anlehen im Betrage von 121’2G7,993 beim Friedensschlüsse, 
1784, hatte die Schuld eine Höhe von 249’851,028 £. — Hierauf wie 
der, bis 1793, Verminderung um I0’5ül,480. 
Während der französischen Revolutions- und der Napoleonischen 
Kriege folgten Anlehen auf Anlehen. Man »amortisirte« ununterbrochen, 
d. h. man kaufte Papiere, um andere zu weit wohlfeilerem Course zu 
emittiren. Man bezahlte nicht nur diesen oder jenen Zins, sondern 
man gab, nach Art schlechter Schuldner, Verschreibungen für weit 
grössere Summen als man ausbezahlt erhielt. So wurden z. B. 1798, 
um 17 Mill, zu erhalten, für 34 Mill. Stocks ausgegeben; 1802 statt 
28 für 49 Mill., 1813 statt 27: 45, 1815 statt 30 : 00 Mill. Nachdem 
jetzigen Course der Papiere berechnet, ward die Schuld beiläufig um 
noch einmal so viel Capital vermehrt als man bezahlt erhielt. Man gab 
den Noten der englischen Bank, welche der Staatscasse aushelfen musste, 
Zwangscurs. Damit bekam man, wie gewöhnlich in solchen Fällen, 
eine unsichere Valuta. 1805 verlor das Papier gegen Metallgeld nur 
2% Proc., 1809 16%, in den nächsten Jahren 9, dann 24'% und 38%; 
1814 sogar 41, 1815 noch 30, in den letzten vier Jahren vor Wie 
derherstellung der Metallwährung 19, 2’%, 5 und 0 Proc. — Die ge- 
sammte Schuld Vermehrung während dieses Krieges betrug, nach Abzug 
der amortisirten Summen, nicht weniger als 001’500,313 U (also über 
4,000 Mill. Thlr.), mit 22’829,690 C Jahreszinsen. Der Stand der gan 
zen fundirten Staatsschuld ward für den 5. Jan. 1817 zu 840’850,49 1 JC 
berechnet, zu deren Verzinsung 32’038,19 I £ erforderlich waren. Da 
neben betrug die schwebende Schuld im Jahre 1815 58 Mill. 
England ist die einzige europäische ürossmacht, welche ihre Staats 
schuld in der langen Friedensperiode nach 1815, wenn auch nur in 
mässigem Verhältnisse, zu verringern wusste. Im Jan. 1830 warder 
Stand derselben auf 787’038,810 und der Zinsbedarf auf 29 14 3,5 17 £ 
herabgebracht. I.ange Zeit kamen nur zwei, beides höchst ehrenvolle, 
Fälle einer Vermehrung vor: 1835 wurden 20 Mill, geliehen um die 
Negersclaven in den Colonien von ihren Eigenthümern loszukaufen, und 
1847 10 Mill, zur Bekämpfung der Hungersnoth in Irland. — Neben 
der Tilgung wusste man die Last der Zinsen um % zu vermindern, in 
dem man 1822 die 5procentigen Schuldscheine in 4procentige umwan 
delte (convertirte); 1830 diese auf 3%procentige, und 1844 auch die 
letzten auf 3procentige herabsetzte. (Den Gläubigern bot man baare 
Rückzahlung des Capitals oder geringere Verzinsung.) 
Der Orientalische Krieg von 1854—50 nöthigte zu neuen Anlehen, 
obwol man (im Gegensätze zu Frankreich) den Bedarf möglichst durch 
Auflagen zu decken suchte. Die Schuldvermehrung stieg gleichwol auf 
41 Mill., nemlich 20 Mill, consolidirte Schuld, 7 Mill. Schatzobligatio 
nen, und 8 Mill. Schatzscheine, wozu eine bedeutende Menge Leibrenten
	        
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