Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

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ALLGEMEINE  UEBERSICHTEN.  —  Stehende  Heere.

mögen,  immer  wird  die  mit  der  Schuld  Vermehrung  zu  unproductiven
Zwecken  gleichen  Schritt  haltende  Ab  gab  en  Vermehrung  in  nackter ­
  Wirklichkeit  beweisen  :  dass  die  Staatsschulden  mittelbar  zugleich
Schulden  jedes  einzelnen  Eintvohners  eines  Landes,  Schulden  jeder  Familie ­
  sind  ;  Schulden,  icelche  jedes  Grundstück,  jedes  Geschäft,  jedes  Vermögen ­
  belasten.

III.  Stellende  Heere  der  europäischen  Staaten.

Abgesehen  von  allen  besondern  Anstrengungen  im  Falle  wirklicher
Kriege,  haben  die  stehenden  Heere  auch  im  Frieden  beiläufig  nachbemerkten ­
  Formationsstand,  der  natürlich  verschieden  ist  von  dem
Effectivstande,  welcher  sich  namentlich  in  Folge  von  Beurlaubungen ­
  mindert.

Grossbritanien  (mit  Indien)  220,000

Frankreich  430,000
Russland  700,000
Oesterreich  417,000
l’reussen  230,000
Deutschland  (Klein-)  .  .  200,000
Italien  200,000
Schweiz  —
Belgien  80,000

Holland  00,000
Dänemark  10,000
Schweden  70,000
Norwegen  10,000
Spanien  230,000
Portugal  30,000
Griechenland  10,000
Türkei  u.  Schutzstaaten  .  .  100,000
Zusammen  3’087,000

Rechnen  wir  dazu  die  Kriegsmarinen  mit  mehr  als  200,000  Mann,
so  erreicht  die  Zahl  derjenigen  Männer,  deren  freiwillig  gewählter  oder
aufgezwungener  Beruf  während  des  kräftigsten  Alters  das  Kriegsgewerbe ­
  ist,  die  enorme  Summe  von  weit  mehr  als  drei  Millionen.
Ein  einziger  Staat  in  ganz  Europa  unterhält  keine  stehenden  Truppen; ­
  es  ist  die  Schweiz,  welche,  ungeachtet  ihrer  geringen  Volkszahl,
im  Falle  des  Bedarfs  in  kürzester  Frist  ein  geübtes  Milizheer  von
100,000  Mann  zu  ihrer  Vertheidigung  aufzustellen  vermag.  Allerdings
werden  jene  3  Millionen  Männer  nicht  beständig  bei  den  Fahnen  gehalten, ­
  sondern  ein  ansehnlicher  Theil  davon  befindet  sich  gewöhnlich  in
Urlaub.  Man  wird  aber  das  Höchste  annehmen,  wenn  man  die  Hälfte
der  Mannschaft  als  beurlaubt  rechnet.
Sonach  bleiben  noch  weit  über  anderthalb  Millionen  Männer,  welche
permanent  einer  bürgerlichen  Beschäftigung  entzogen  sind.  Wir  haben
S.  462  die  Kosten  des  Heerwesens  der  sämmtlichen  europäischen  Staaten ­
  im  Frieden  zu  825  Mill.  Thlr.  veranschlagt.  Volkswirthschaftlich
ist  aber  das  Opfer  noch  ungleich  grösser.  Nimmt  man  an,  dass  jeder  von
jenen  anderthalb  Millionen  kräftigster  Männer  täglich  nur  einen  halben
Thaler  verdienen  könnte,  so  ergibt  sich,  dass  den  europäischen  Ländern, ­
  mit  der  Arbeit  jener  Leute,  täglich  eine  Production  im  Werthe
von  mindestens  750,000  Thlrn.  entzogen  ist.  Zieht  man  dabei  noch
die  Einbusse  der  Arbeitskraft  von  mindestens  300,000  Cavallerie-  und
Artillcriepferden  in  Betracht,  so  wird  der  Gesammtverlust  jährlich  (bei
            
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