Full text: Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

ALLGEMEINE UEBERSICHTEN. — Colonialproducte. 
473 
Tonnen ausgeführt. Dieses I.and allein könnte den Bedarf von ganz Europa 
während 4000 Jahren decken. 
Die Quecksilberproduction wird im Ganzen auf 00,000 Cntr. geschätzt, w 
Almadén 15,000, Californien 30,000 und Peru 3,000 Cntr. liefern. 
ozu 
Der Gesammtgeldwerth der Bergproducte war in Mill. Thlr. 
Grossbritanien (1803) , . 230 Mill. 
Preussen (1800) .... 32 - 
Frankreich (1803) ... 32 - 
Belgien ungefähr ... 30 - 
Oesterreich (1800) 
Spanien (1800) . , 
Russland (1857) 
28 Mill. 
10 - 
14 - 
c. Sonstige besonders wichtige Natur- und Industrieproducte. 
1. Baumwolle. Von allen Xaturproducten findet die Baumwolle nach 
dem Getreide die ausgedehnteste Benützung. Der Verbrauch derselben 
in Indien und China — diesen Ländern, welche wenigstens die Hälfte 
der gesammten Menschenzahl auf Erden umfassen, und deren Bevölke 
rung sich zum Theil ausschliesslich in Baumwolle kleidet — lässt sich 
kaum annähernd schätzen. Gleichwol ging der colossale Baumwollever 
brauch in Europa nicht von Asien, sondern — in entgegengesetzter Rich- 
tung — von Amerika aus. Die Quantität, welche überhaupt in den uns 
bekannten Handel kommt, wird zu IG—18 Millionen Centner jährlich 
veranschlagt. Davon producirten früher die Vereinigten Staaten allein 
zwei Drittheile ; rS50,000 Centner kamen aus Ostindien in den euro 
päischen Verkehr: 1'10U,000 aus dem übrigen Asien, und 650,000 aus 
Mexico, Brasilien und den andern Ländern Südamerika’s. Der Geld 
werth blos der nordamerik. Baumwollerndte in dem günstigen Jahre 1859 
Ward auf 290 Mill, preuss. Thlr. geschätzt. Dies ist mehr als die cali- 
fornische und australische Goldausbeute zusammengenommen. 
Grossbritanien verarbeitet mindestens ebenso viel Baumwolle, als 
alle andern Länder. Von 1735 —1719 verbrauchte man daselbst jähr 
lich nur eine Million Pfund, I860 mindestens 1000 Mill., sonach mehr 
an einem Arbeitstage, als zu jener Zeit in drei Jahren. Seit Ab 
schaffung der Eingangszölle ist der Verbrauch auf das IGfache gestiegen. 
Vermittelst der Maschinen liefert ein Arbeiter so viel Gespinnste, als 95 
— 100 indische Handspinnerinnen. — Obwol eine indische Spinnerin 
früher blos etwa 8 Sgr. wöchentlichen Lohn erhielt, während in Eng 
land die Arbeiter, einschliesslich der Frauen und Kinder, im Durch 
schnitte IG Sgr. täglich verdienen, vermögen dennoch die bis zum 
Aeussersten wohlfeilen indischen, mit den sehr theuern englischen Ar 
beitern nicht zu concurriren. Die Zahl der in allen Baumwollfabriken 
Ëuropa’s und Amerika's beschäftigten Arbeiter wird, einschl. der Kin 
der, auf 1 Mill, geschätzt; ihre Löhne, durchschn. zu 130 Thlr. an 
genommen, betragen jährlich mehr als 162 Mill. Es ist aber vielleicht 
eine viermal grössere Anzahl als jene mittelbar in ihrem Lebensunter 
halte von der Stabilität der gedachten Industrie abhängig. Leider hat 
auch die Negersklaverei in Nordamerika ihre Ausbreitung dem Baum 
wolleanbau zu verdanken, wozu gegen eine Million Schwarze verwendet 
Wurden. Die älteste Angabe der Baumwolleausfuhr von Nordamerika 
findet sich in einem Handelsberichte der Stadt Charleston (Südcaro 
lina) von 1747, — damals handelte es sich um sieben Säcke ! Als 1784 
71 Säcke von dort in England ankamen, ward Beschlag darauf gelegt, 
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