Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

ALLGEMEINE  VERHÄLTNISSE.  —  Sterblichkeit.

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dieselbe  geblieben.  Diese  Beispiele  zeigen  deutlich,  wie  gänzlich  unzuverlässig
die  Schlüsse  sind,  die  aus  der  Sterblichkeitsziffer  oder  dem  Durchschnittsalter
der  Gestorbenen  auf  die  Lebensdauer  des  Menschen  gezogen  werden.  Dass  noch
viel  weniger  aus  der  Geburtsziffer  und  dem  Durchschnittsalter  der  Lebenden
auf  das  Sterblichkeitsverhältniss  und  die  mittlere  Lebensdauer  geschlossen
werden  kann,  leuchtet  von  selbst  ein.  Es  muss  daher  ferner  jeder  derartige
Versuch  als  ein  eitler  bezeichnet  und  lediglich  auf  Herstellung  genauer  Sterblichkeitslisten ­
  als  das  einzige  Mittel  zur  Erkennung  des  Sterblichkeitsgesetzes
und  der  mittleren  Lebensdauer  verwiesen  werden.

Nach  den  klaren  Erörterungen  des  Herrn  Finanzrath  Hopf  über
allgemeine  Sterblichkeitsverhältnisse  richten  wir  den  Blick  noch  auf
einige  besondere  Punkte.  *]
Sterblichkeit  in  den  Städten.  Man  gewahrte,  dass  die  Sterblichkeit
in  den  Städten  eine  andere,  grössere  sei,  als  die  durchschnittliche.  So
kamen  nach  den  officiellen  Zusammenstellungen  zu  Paris  je  ein  Sterbfall ­
  resp.  eine  Geburt.

1  Sterbf.  Ib36  auf  37,79  Einw.
1  -  1841  -  3.1,93  -
1  -  1846  -  36,85  -
1  -  1851  -  38,18  -

1  Geburt  auf  31,41  Einw.
1  -  -  31,25  -
1  -  -  31,56  -
1  -  -  32,58  -

Dagegen  hatte  man  in  den  363  Hauptorten  von  Bezirken  in  Frankreich ­
  (einschliesslich  Paris)  und  hinwieder  im  ganzen  Lande  :
1  Sterbfall  1  Geburt

in  d.  Hauptorten  in  ganz  Frankr.
1836—40  auf  38,11  42,35  Einw.
1841_45  _  39,84  44,29  -
1846—50  -  37,32  41,97  -

in  d.  Hauptorten  in  ganz  Frankr.
auf  35,62  35,31  Einw.
-  36,75  35,66  -
-  37,81  37,48  -
(Sonach  grössere  Schwankungen  bei  den  Sterbfällen,  als  bei  den
Geburten.)  Im  Jahre  1858  kam
1  Sterbfall  1  Geburt
im  Seinedepartemente  Paris)  auf  36,5  Einw.  auf  30  Einw.
in  den  übrigen  franz.  Städten  -  35,1**)  -  -  33
auf  dem  Lande  -  44,3  -  -  39%  -
In  England  (einschl.  London)  kamen  im  Durchschnitte  der  10
Jahre  1849  —  58  auf  100,000  Personen  jährlich  2216  Sterbfälle  ,  in  London ­
  allein  aber  war  das  Verhältniss  2425.  Fasst  man  die  125  Districte
zusammen,  welche  die  grössten  Städte  enthalten,  so  war  die  Durchschnittszahl ­
  2563,  dagegen  in  den  mehr  ländlichen  Districten  nur  1970.
Wappäus  hat,  als  Durchschnitt  von  9  Staaten,  gefunden,  dass  von
allen  Geborenen  (einschl.  Todtgeb.)  innerhalb  der  5  ersten  Jahre  starben ­
  :  in  den  Städten  33,60%  ,  in  den  Landbezirken  nur  27,28  ,  sonach
ein  Unterschied  von  6,32  auf  je  100.

*)  Von  Druckschriften  seien  (ausser  den  besond.  angeführten  von  Quetelet
und  WappUns)  im  Allgemeinen  zunächst  hier  envähnt:  Boudin,  J.  Ch.  M.,
Traité  de  Géographie  et  de  Statistique  médicales.  Paris,  1857,  2  vol.  —  Oetterlen,
  Dr.  Fr.,  Handbuch  der  medicinischen  Statistik,  Tübingen  1864  (ein  gleichfalls ­
  mit  ungemeinem  Fleisse  und  ausgedehntem  Quellenstudium  bearbeitetes
Werk).  Hirsch,  Dr.  Aug.,  Handbueh  der  historich-geographischen  Pathologie.
Erlangen  I860.
**)  In  andern  Jahren  war  die  Sterblichkeit  zu  Paris  immer  grösser  als  in  den
übrigen  Städten.  Hier  ist  also  ein  Ausnahmefall.
            
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