Full text : Handbuch der vergleichenden Statistik- der Völkerzustands- und Staatenkunde

ALLGEMEINE  VERHÄLTNISSE.  —  Sterblichkeit  nach  Monaten.  505

der  uns  vorliegenden  Angabe  nicht  prüfen  zu  können,  dass  in  Frankreich ­
  von  den  ISOO  bis  1807  geborenen  Knaben  blos  45%  das  Alter
der  Conscriptionspflichtigkeit  erreicht  hätten,  von  den  1822  bis  1825
Geborenen  dagegen  61%.  Allerdings  werden  die  Listen  in  der  letzten
Periode  genauer  geführt  worden  sein  als  in  der  frühem  ;  gleichwol  lässt
sich  erwarten,  dass  schon  die  Verminderung  der  Pockenseuche  sich  bemerkbar ­
  machen  musste,  denn  die  genannte  Krankheit  raffte  nicht  etwa
blos  die  Schwächlinge,  sondern  oft  die  Kräftigsten  hinweg.  —  In  London ­
  betrug  die  Zahl  der  Todesfälle  von  Kindern  bis  zu  zwei  Jahren  in
der  ersten  Hälfte  des  vorigen  Jahrhunderts  je  zwischen  9  und  10,000;
gegen  Ende  des  vorigen  und  im  ersten  Decennium  des  gegenwärtigen
Jahrhunderts  belief  sie  sich  nur  auf  5  bis  6000  ;  und  doch  war  die
Volkszahl  von  674,350  im  J.  1700,  auf  1’050,000  im  J.  1810  gestiegen. ­
  *)
Sterblichkeit  nach  Monaten.  Dass  die  Sterblichkeit  sich  nicht  gleich
bleibt  in  jeder  Jahreszeit,  ist  bekannt.  Der  menschliche  Körper  ist  ein
so  empfindlicher  Organismus,  dass  es  nur  einer  verhältnissmässig  nicht
grossen  Steigerung  der  Kälte  oder  Hitze  bedarf,  um  diesen  Organismus
zu  schädigen  oder  zu  Grunde  zu  richten.  Während  aber  die  Phantasie
der  Dichter  das  schlimmste  Verhältniss  in  der  Hitze  —  dem  Feuer,
der  Hölle  —  suchte,  erweist  sich  die  Kälte  in  Wirklichkeit  weitaus
als  die  verderblichere  Temperatur.  Folgende  (von  Wappäus  aufgestellte)
Tabelle  mag  dies  zeigen.  Unter  12,000  Todesfällen  im  Laufe  des  Jahres
kamen,  die  Monate  gleich  lapg  angenommen,  auf  den

*)  Ohne  den  folgenden  Berechnungen  jetzt  noch  den  nemlichen  Werth  beizulegen ­
  wie  bei  Herausgabe  der  frühem  Auflagen  unser«  Buches,  wollen  wir
doch  mittheilen,  dass  Finlaison  auf  Grundlage  der  Materialien  der  engl.  Tontinengesellschaften ­
  die  wahrscheinl.  Lebensdauer  so  berechnet:

bei

1695  1785—1825  1695  1785—1825
5  Jahren  40,7  51,58  Jahre  bei  40  Jahren  22,69  29,07  Jahre
10  -  38,07  48,31  -  50  -  17,32  22,62  -
20  -  31,79  41,19  -  00  -  12,45  15,85  -
30  -  26,12  35,74  -  70  -  7,19  10,2  -

Nach  der  gewöhnl.  Weise  berechnet  erlebten  zu  Genf  von  10,000  Menschen  :

10  Alter^jahre  40  Jahre  70  Jahre  90  Jahre

1561  —  1600  480
1601  —  1700  524
1701—1760  601
1761—1800  613
1801  —  1811  694
1814—1833  741
1838—1845  744

206  41  2,3
296  80  3,7
427  145  5
538  Í86  51
529  238  81

Auf  dem  Londoner  statist.  Congresse  von  1860  hob  Edwin  Chadwick  in
der  2.  Section  die  wohlthätige  Wirkung  gesunder  Wohnungen  hervor.  Unter
den  Arbeitern  von  St.  Giles  herrschte  eine  Sterblichkeit  von  30  auf  1000  im
Jahre.  Bei  denjenigen,  welche  man  in  Musterwohnungen  unterbrachte,  sank
die  Sterblichkeitsziffer  bis  aut  13%  vom  1000  herab.
            
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