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Silberwerthes in Europa xuiiick/ufübrcn ist, der kann keinen
Augenblick darüber in Zweifel sein, dass diese Verringerung
nicht f^tsclii'eh^akan^ o^ie mit N^^nmt^vend^^mteimm
Silberabfluss nach Ostasien berbeizuführen. Wenn Silber um K
Percent im Preise fällt, so heisst das dann nicht blos, dass
für Gold um 10 Percent mehr Silber gegeben werden muss,
sondern auch, dass fiir ein IPfuiid Tfhee, Air ein l^fhrnl Eaaiin-
ivolle, IiKligro oder dgl. der in Silber ausgedriuflkte Ireis
steigt. Geschieht das nun auf den europäischen Markten, so
muss dies nothwendigerweise eine Anziehungskraft auf al e
diese Artikel ausüben; diese Anziehungskraft wird desto
grösser, je mehr die in Silber ausgedrückten Preise auf den
europäischen Märkten steigen, und sie muss so lange wahren,
bis der als Rembourse für die ostasiatischen Waarensendungen
dahin abfliessende Silberstrom die Kaufkraft des Silbers auci
(fort allniäligr verHngrert, d. h. die bereise steigert, lind ebenso
verringert die in Gold berechnete Preisermässigung aller
abendländischen Erzeugnisse im Oriente dort deren Absatz-
fäbigkeit, stellt also auch aus diesem Grunde die Handels
bilanz günstiger für Ostasien , so lange dieses seinen Silber-
vorrath nicht auf die entsprechende Höhe gebracht hat.
Aus diesem Grunde ist es sogar höchst wahrscheinlich,
dass der Silberabfluss nach Ostasien grössere Dimensionen an
nehmen wird, noch bevor die Demonetisirung dieses Edelmetalls
in Europa vollständig durchgeführt ist, und dass dies den
europäischen Völkern den Hebergang zur Goldwährung
wesentlich erleichtern wird. Dieselbe Wirkung hat vor zwei
Decennien die ausserordentliche Vermehrung der Goldproduc-
tion geäussert, durch welche der (xeldwerth im Allgemeinen
in Europa gedrückt und damit die Demonetisirung des Silbers,
wenn auch nicht gesetzlich , so doch thatsächlich im stärkeren
Masse begonnen wurde. Der Münzvorrath des Abendlandes
stieg damals rasch, der Geldwerth sank damit im Allgemeinen,
Ostasien konnte in Europa weniger kaufen und mehr verkaufen
als früher und gelangte auf diese Weise in den Besitz von
a/ der damaligen gesammten Silberproduction. Es scheint aber
in jener Zeit aus Ursachen, die noch näher beleuchtet werden
sollen, der Silberabfluss, insbesondere nach Indien, rascher
vor sich gegangen zu sein, als den natürlichen Preisverhalt-