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Silberproduction aber nahm Ostasien blos 2V2 Anspruch, so
(lass I Milliarde ans dem IMnnzvorrathe, und 1 Milliarde ans
der Prodnction znr Verfügung stand. Diese 2 Milliarden wurden
binnen D/g Decennien consnmirt, und die Werthrelation hatte
sich dabei sogar zn Gunsten des Silbers verbessert. Inzwischen
haben sich die industriellen Verwendnngsarten des Silbers wesent
lich vermehrt und an Ausdehnung gewonnen ; tritt hiezu noch die
den Consum stimulirende Wirkung eines Preisabschlags, so
kann füglich erwartet werden , dass das Abendland in längstens
zwei Decennien den doppelten Silberbetrag, nämlich 4 Milliarden
zu consumiren vermag. Ist dies aber einmal geschehen, so
wird damit jeder ferneren Preisermässigung des Silbers vorge
beugt sein, die europäischen und amerikanischen Verkehrs
gebiete werden vielmehr, um in den Besitz des ihnen auch
dann noch nöthigen Silbers zu gelangen, mit Ostasien bei der
Nachfrage um die Ergebnisse der Silberproduction in Con-
currenz treten und damit die Silberpreise wieder in die Höhe
treiben müssen.
Von einer dauernden, noch viel weniger von einer ins
Bodenlose gehenden Entwerthung des Silbers durch dessen
Demonetisirung in Europa kann daher absolut keine Hede
sein, so lange die ostasiatischen Länder sich dieses Edel
metalls zu Circulationszwecken ausschliesslich bedienen. Eine
andere Frage ist es, was dann geschehen soll, wenn dies Letztere
aufhört, wenn nämlich die fortgesetzte Vermehrung des Edel-
metallvorrathes der gesummten Erde auch in den hinterasiati
schen Verkehrsgebieten die Preise und Löhne derart steigert,
dass Silber zu Circulationszwecken unhandlich wird und daher
gegen Gold umgetauscht werden muss. In diesem Falle würde
allerdings die Preisreduction des weissen Edelmetalls bis an
jene Grenze gehen müssen, die ihm sein Nutzwerth zu indu
striellen und decorativen Zwecken allein vorschreibt, und
gleichzeitig würde eine solche Revolution in den Verkehrs
gewohnheiten Ostasiens, je nachdem sie sich rasch oder lang
sam vollzieht, entweder eine allgemeine, wenn auch nur vor
übergehende, Steigerung der Kaufkraft des Goldes oder doch
zum mindesten eine bedeutendere Verzögei-ung seiner sonst
unvermeidlichen, säcularen Werthveränderung im Gefolge
haben müssen. Aber wenn man die Natur des hinterasiatisclneji