Full text : Währung und Handel

zutretende  stärkere  Angebot  auf  dem  Silbermarkte  die  Preise
drücken.  Dadurch  wird  der  Abstand  der  Werthrelation  beider
Edelmetalle  nothwendigerweise  vergrössert,  um  dann  nachträglich, ­
  wenn  die  Operation  vollzogen  ist,  bei  sonst  gleichbleibenden
Verhältnissen  wieder  auf  sein  früheres  mittleres  Niveau  zurückzugehen. ­
  Deutschland  hat  bei  seinem  Währungswechsel  auf  diese
Weise  ungefähr  DU  Millionen  Gulden  verloren.  Dass  übrigens
dieser  Verlust  so  gross  wurde,  hat  neben  den  in  Deutschland ­
  begangenen  Fehlern,  auf  die  noch  zurückgekommen
werden  soll,  vornehmlich  darin  seinen  Grund,  dass  mit
den  Wirkungen  der  deutschen  Münzmassregeln  mannigfache
andere  Ursachen  zusammentrafen,  die  alle  auf  die  Silberpreise
drückten,  die  Goldpreise  in  die  Höhe  trieben.  Dahin
gehört  vor  Allem  der  gleichzeitige  Uebergang  zahlreicher
anderer  Staaten  zur  Goldwährung,  die  im  Wesen  auf  dasselbe
hinauslaufende  ausserordei^tliche  Einschränkung  der  Silberausprägung ­
  durch  die  Staaten  des  lateinischen  Münzbundes,  die
Steigerungen  der  Silberproduction  und  die  Abnahme  der  Silber.-verschifFungen
  nach  Ostasien.  Die  deutsche  Münzmassregel  hätte
niemals  allein  jene  ausserordentliche  Verschiebung  der  Werthrelation ­
  hervorgerufen,  die  von  1871  bis  zur  Gegenwart  ungefähr ­
  20  Percent  beträgt  und  möglicherweise  noch  weiter
fortschreiten  wird.
Die  Staaten  der  Doppelwährung  haben  vor  denen  der
Silberwährung  bei  einer  Münz  Veränderung  den  einen  Vortheil,
dass  ihr  Münzbestand  schon  a  priori  zum  Theil  aus  Gold  besteht, ­
  daher  ihre  neuen  Goldanschaffungen  sowohl  als  die  Verkäufe ­
  an  Silbergeld  verhältnissmässig  nicht  so  bedeutend  sind
wie  bei  den  Silberstaaten.  Aber  dem  steht  unter  Umständen
das  ausschlaggebende  Moment  gegenüber,  dass  die  Dop])elwährungstaaten
  beim  Uebergange  zur  Goldwährung  verpflichtet
sind,  die  Umwechslung  der  in  ihrem  Verkehrsgebiete  vorhandenen ­
  Silbermünzen  gegen  neue  Giddmünzen  nach  der  von
ihnen  gesetzlich  festgehaltenen  Werthrelation  vorzunehmen.  Es
hängt  lediglich  von  den  Verhältnissen  des  Edelmetallmarktes
ab,  ob  der  hieraus  entstehende  Nachtheil  mehr  oder  minder
schwer  in’s  Gewicht  fällt.  Vor  5  .fahren  wäre  es  den
Staaten  der  lateinischen  lMünz(;onvention  weitaus  leichter
und  minder  kostspielig  gewesen,  zur  Goldwährung  zu
            
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