es Wühl kaum einem Zweitel, dass unter sonst gleichbleiben
den Verhältnissen Edelmetall in dieses Land strömen muss,
dass also seine Zahlungsbilanz nothwendigerweise im grossen
Ganzen günstig bleiben wird. Die eigene Production an Gold
und Silber beträgt im Jahresdurchschnitte ungefähr 5 Mil
lionen Gulden. Es wurden nämlich im Jahre 1872 2 Millionen
Gulden Gold in Ungarn und etwas über 1 V/'a Millionen (-rulden
Silber je in Ungarn und Oesterreich erzeugt. Die Gesammt-
f production der Erde ist aber auf ungefähr 400 Millionen im
Jahresdurchschnitte zu veranschlagen und es ist kaum anzu-
: nehmen, dass der Antheil Oesterreich-Ungarns an dieser
Gesammtförderung nicht grösser sein sollte als Percent.
Seine eigene Production dürfte schwerlich dem Consume zu
industriellen Zwecken genügen, und um den vorhandenen Cir-
culationsvorrath zu ergänzen, respective von Fall zu Fall auf
I die der Steigerung des Weltmünzvorrathes entsprechende Höhe
' zu bringen, werden stets ausländische Zufuhren nothwendig
sein.*) Und dass diese dann auch eintreten, dafür lasse man
den Verkehr selber sorgen. Je geringere Schranken man diesem
in den Weg legt, desto rascher und vollständiger wird er seine
Functionen erfüllen.
') Am Edelmetallhedarfe der Staaten abendländischer Civilisation durfte
Oesterreich-Cngarn wohl im Verhältnisse seiner Bevölkerungszahl zu derjenigen
Europa’s und Amerika’s participiren, also mit ungefähr 10 l’crcent. Das Abend
land aber hat, wie die Erfahrungen der letzten Jahrhunderte, zeigen, im
grossen Ganzen zwischen 7U und 75 Percent der Gesammtproduction tur sich
in Anspruch genommen. Unter der Annahme also, dass sich diese Verhält
nisse nicht ändern, dürfte Oesterreich-Ungarn, wenn es zur Metallwährung
ühergegangen ist, im Jahresdurchschnitte zwischen 25 und 3U Millionen Gulden
an Edelmetallen beanspruchen ; es wird also auf Zufuhren in der Höhe von
20 bis 25 Millionen Gulden angewiesen sein. Es sind dies alles nur Schätzungs
zahlen von sicherlich höchst zweifelhaftem Wert he, aber so gross dürfte die
Unge»auigkeit derselben keineswegs sein, dass sich aus denselben nicht mit
einiger Sicherheit auf die Gestaltung der österreichisch-ungarischen Zahlungs
bilanz im säeularen Verlaufe zuriickschliessen liesse.