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Es besaßen 1495 in Frankfurt a. Main: Es besaßen in Basel 1475 1476:
Geschichte der Vermögensverteilung.
d/0 der Gesamt⸗ 0/o0 der o/0 der
bevölkerung Handwerker Steuernden
Unter 20 Goldgulden 45,7 32,7 Bis 30 Goldgulden 44,4
20 200 7 35,0 45,1 30 - 200 7 305
200 - 2000 142 220 200 -2000 20,9
über 2000 5,1 1.0 über 2000 5 4,3
Bücher fieht das Charakteristische dieser Zahlen in dem Überwiegen der kleinen
Vermögen, in der geringen Zahl der Armen und der ganz großen Besitzer und die
Ursache dieser Zustände in dem auf die Unfreiheit des plaͤtten Landes sich aufbauenden
städtischen Wohlstand, in der Stadt- und Zunftverfassung, in der noch vorhandenen
agrarischen Eigenwirtschaft der meisten Staͤdter. Ob in Frankreich das Vermögen
damals schon mehr differenziert war, ist mir zweifelhaft; immer hatte der große
französische Kaufherr und Reeder Jaques Coeur schon 1440 etwa ein Vermögen von
10,78 Mill. heutigen Francs (Pigeonneau) und Mazarin soll 40 —60 Mill vivres
(Fouquet) hinterlassen haben. In den Niederlanden dürfte die Vermögensungleichheit
ähnlich wie in Italien vom 15. — 18. Jahrhundert gewachsen sein. Ich habe einige
Tabellen, welche die Vermögens- und Einkommensverteilung von deutschen Städten von
1406 -1600 und von England im Jahre 1688 mit dem 19. Jahrhundert vergleichen,
zusammengestellt; nach ihnen ist der Unterschied nicht so sehr groß. Aber diese Zahlen
beweisen nicht allgemein.
In den letzten 200 Jahren wird im ganzen doch der Vermö gensunterschied gegen—
über den vorhergehenden Jahrhunderten erheblich gewachsen sein (vgl. oben 8 3229
S. 422 ff.): Die enormen lechnischen und Betriebsfortschritte, die freiere Konkurrenz, der
stärkere Daseinskampf, der Sieg der Geldwirtschaft, das Verschwinden der agrarischen Eigen—
wirtschaft für die kleinen Leute verursachte die Anderung: breite Schichten und Klassen
ohne oder mit geringem Vermögen enistanden; die führenden Schichten hatten ganz
andere Erwerbsmoͤglichkeit; ihnen fielen auch die enormeu Grundrentensteigerungen und
Konjunkturengewinne am meisten zu. Immer ist das Refultat ein gänzlich verschiedenes
in den einzelnen Ländern und Gegenden.
Alle Kenner sind einig, daß kein Land eine solche Plutokratie habe wie die Ver—
einigten Staaten: nach Holmes sollten 18900 4047 Millionäre 20 6/0 bes ganzen Reich⸗
tums der Union besitzen; nach einer Schätzung, die Fopille mitteilt, 17 000 Familien
die Hälfte desselben. Ahnliches in Bezug auf England deutet die Rechnung desselben
Gewahrsmannes an, welche 11500 Famdien die Hälfte alles Vermögens giebt; nahe
kommt dem die holländische Schätzung, die 28000 Familien als die Inhaber der Hälfte
allen Vermögens über 18 000 fl. ansetzt. Für Preußen und Deutschland kann man
nach der preußischen Vermögenssteuer annehmen, daß erst die viel größeren Zahlen von
100000 resp. 170000 Familien die Hälfte des ganzen Privatvermogens (nicht bloß
des über 60090 Mk. betragenden) besitzen. Millionäre von 400 bis über 1000 Mill. Mk.
zählen die Vereinigten Staaten schon viele, das alte Europa doch nur wenige: z. B. hinter—
ließ James Rothschild 1867 640 Mill. Mk. in Preußen besaßen 1899 erst 19 Privat-
personen zusammen eine Milliarde, erst 38 die zweite und 93 die dritte; 1899 —1902
stand nur eine Person in der statistischen Spalte „über 80 Mill.“ ; sie besaß wohl
200-300 Mill. Die furstlichen Vermögen sind in unserer Statistik nicht einbegriffen.
Besonders lehrreich fuür den Umfang des Vermögensbesitzes in den mittleren
socialen Schichten in Deutschland sind die Resultate der neuen preußischen Vermögens⸗
steuer, wie sie Evert bearbeitet hat. Die Steuer erfaßte 1899 1,22 Mill. Cenfiten mit
über 6000 Mk. Vermögen, sie machten mit ihren Angehörigen 4,56 Mill. Personen
oder 13,88 00 der Bevölkerung aus. Da aber noch mindestens 1 gill. (Censiten und
Angehbrige) über 6000 Mt. deklarierten, jedoch von der Steuer befreit wurden, so ist
die wirkliche Zahl der Besitzenden viel größer, ganz abgefehen davon, daß wahrscheinlich
1—2 Mill. 6060 Mk. haͤtten und nicht deklarierten, und einige weitere Millionen