Full text : Währung und Handel

—  HOO  —
dies  (loch  eine  etwas  weitgehende  Erwartung.  Wahr  ist  allerdings,
dass  Deutschland,  solange  es  den  Schlagschatz  von  V2  Percent  beibehält,
  kaum  jemals  dazu  gelangen  dürfte,  sich  von  der  englischen
Vermittlung  bei  seinen  internationalen  Kauf-  und  Verkaufgeschäften ­
  zu  emancipiren,  indem  die  Differenz  von  V3  Percent,
die  im  Preise  von  Markt-Barrengold  zu  Gunsten  des  englischen
Marktes  vorhanden  ist,  stets  unter  sonst  gleichbleibenden  Umständen ­
  den  directen  Edelmetallstrom  von  Deutschland  abhalten
und  für  England  monopolisiren  müsste;  aber  mit  der  Beseitigung ­
  dieser  Differenz  ist  eben  noch  nicht  Alles  gethan.
Der  Wechsel  wird  allerdings  caeteris  paribus  mit  Vorliebe
jenen  Markt  aufsuchen,  wo  er  am  leichtesten  in  Gold  umzusetzen ­
  ist;  in  erster  Linie  aber  sucht  er  ohne  Frage  jenen
Markt  auf,  wo  er  sicher  sein  kann,  einen  Abnehmer  zu  finden,
der  ihn  gegen  einen  a  n  d  e  r  e  n  W  e  c  h  s  e  1  austauscht.  Der  Weltmarkt ­
  für  Geld  und  Credit  wird  daher  stets  jener  Platz  sein,  der
seinen  Bang  als  Weltmarkt  für  Waaren  und  Werthpapiere
behaupten  kann.  Solange  man  in  Berlin  nicht  jederzeit  Wechsel
auf  Bond)ay,.  Canton  und  Pangkong  in  beliebiger  Auswahl
vorräthig  findet,  sondern  diese  in  Jjombardstreet  suchen  muss,
wird  man  auch  die  Vermittlung  Lombardstreets  zu  Zahlungen
nach  China,  Vorder-  und  Hinterindien  in  Anspruch  nehmen
müssen.  Aber  der  hohe  Schlagschatz  verhindert,  dass  die
fremden  Importeure,  selbst  wenn  sie  Zahlungen  nach  Deutschland ­
  zu  leisten  haben,  diese  in  Deutschland  selbst,  zahlbar
machen  ,  da  sie  eben  bei  der  Zahlung  nach  London  eventuell
I/3  Percent  am  Schlagschatze  ersparen.  Die  Commission  zwischen
London*  und  Merlin  mag  dann  immerhin  dieses  Drittel
Percent  —  und  mehr  noch  —  verschlingen  ;  der  indische  und
chinesische  Bamjuier  wird  von  vornheiein,  solange  ihm  die
A\*ahl  bleibt,  doch  vorziehen,  nach  London  zu  remittiren.
Die  Concurrenz  eines  Landes  mit  England  im  internationalen
Wechselverkehre  wird  daher  durch  einen  hohen  Schlagschatz
von  vornherein  unmöglich  gemacht;  durch  die  Ermässigung
des  Schlagschatzes  ist  nun  die  Bahn  für  diese  Concurrenz  frei
geworden,  aber  sie  kann  wirklich  erst  dann  in's  Leben  treten,
wenn  der  Handel  des  betreffenden  Landes  an  Ausdehnung  und
Vielseitigkeit  dem  englischen  wenigstens  annähernd  gleich
wird.  In  Deutschland,  dessen  fortschrittliche  Handelspolitik  in
            
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