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den letzten Jalirzehnten von so staunenswertliem Erfolge be
gleitet war, kann man in der That, wenn eine ebenso freisinnige
Münzpolitik binzutritt, schon im nächsten Jahrzehnte auch
die TTnahhängigkeit von Lombardstreet anbahnen. Und auch für
den Wechsel verkehr minder verkehrsreicher Länder ist die
Lrmässigung des Schlagschatzes nicht belanglos ; sie sichert
ihnen zum mindesten die Unabhängigkeit im Verkehre mit den
näher gelegenen Staaten , während eine fehlerhafte Technik
des Münzwesens sie seihst hei den Transactionen mit den un
mittelbarsten Nachbarn unter fremde Vormundschaft bringen
kann. Aber allzu sanguinischen Hoffnungen darf man sich
diesbezüglich nicht hingeben. Wenn Seyd darauf hinweist,
dass unmittelbar nach der Ermässigung des französischen
Schlagschatzes von V2 auf V4 Percent der Edelmetallzufluss
nach Frankreich sogar den nach England übertraf, und
wenn er daraus den Schluss zieht, diese vernünftige Münz-
massregel habe es zuwege gebracht, dass Paris im Geld-
verkehre London ebenbürtig wurde , so verwechselt er da doch
zwei Dinge mit einander, die sehr wenig gemein haben. Die
Edelmetallzuflüsse nach Frankreich in jener Epoche hatten ihren
Grund einfach darin, dass an den französischen Münzen das
billiger gewordene Gold gegen das theure Silber umgetauscht
wurde. Dieses Gold diente nicht zur Vermittlung irgend
welcher Handelstransactionen, sondern sein Zuströmen war ein
Geschäft für sich, es war die Ausnützung der Doppelwährung
durch die Arbitrage der ganzen Welt. Schon der Umstand,
dass der Goldzufluss mit einem Schlage zweimal so gross wurde
als der nach England , trotzdem der Schlagschatz in Frankreich
noch immer um Vn Percent höher war als dort, sowie der
fernere T^mstand, der Seyd unmöglich entgangen sein kann,
dass trotz dieses Ueberwiegens der französischen Goldimporte
die Oberherrschaft Ijombardstreet^s im Geldverkehre der V eit
auch in jener Zeit denn doch nicht an Paris übergegangen
war, hätte ihm zeigen sollen, dass seine Schlussfolgerung eine
falsche sei.