Full text: Der Pommersche Landbund

Bezeichnend ist die Zahl der Jahre, die die einzelnen Arbeiter 
familien auf diesem Gute wohnhaft und beschäftigt waren, nämlich 6, 19, 6, 
22, 9,12,14,18, 24, 7, 24, 33,1,1, 1,1, 41 und 9 Jahre. 
Wie es mit der Kündigung bestellt ist, die auf Wunsch der Arbeiter erfolgt 
fein soll, beweist nachstehender, bei uns am 20. Januar 1920 eingegangener 
Bericht: 
„Zu dem eingesandten Tarif wurden wir heute, am 31. Dezember 1919, 
aufgefordert, ihn zu unterschreiben. Als erster wurde unser Genosse B. rein 
gerufen. Ohne Verhandlungen iiber den Tarif wurde ihm der L o s s ch e i n 
ausgehändigt, worauf sämtliche Mitglieder das Gutshaus verließen. Da 
der Losschein ohne Gründe war, wurde er vom Genossen B. nicht angenom 
men, B. wurde aber beim Verlassen des Hofes von dem Hofmeister Zemke 
zurückgerufen, worauf ihm derselbe mit aufgeführten Gründen übergeben 
wurde. Gleichzeitig haben noch mehrere Mitglieder denselben erhalten, wurde 
aber nicht angenommen. 
Es wurde am 30. d. M., abends, eine Versammlung abgehalten, wo wir 
uns mit sämtlichen Mitgliedern eine Frist erbaten. Hieraus wurde Genosse 
B. beauftragt, die Liste dem Gutsverwalter, Herrn Mantzel, vorzulegen. Ge 
nosse B. ging am 31. d. M., morgens früh- mit der Liste hin, der Gutsver 
walter befand sich im Pferdestall, überreichte ihm denselben dort, M. lehnte 
ihm mit den Worten ab, die Sache wird heute yachmittag geregelt. Den 
Vorgang der Sache bestätigt obiges Schreiben. Hieraus beschlossen sämtliche 
Mitglieder, die Frist nochmals zu erbitten. Dies geschah folgender 
maßen: Die Mitglieder begaben sich alle in das Gutshaus, worauf unser Ver 
trauensmann B. beauftragt wurde, nochmals die Bitte vorzulegen. 
Genosse B. erbat durch Anmeldung des Stubenmädchens den Eintritt, 
welcher ihm auch gewährt wurde. Die erbetene Frist wurde auch diesmal 
nicht anerkannt. Der Gutsverwalter, Herr Mantzel, erklärte den 
Genossen B. als nicht maßgebende Person. Der Gutsverwalter 
suchte sich selbst ein Mitglied von uns aus, Namens F. K., und versuchte durch 
gute Worte denselben vonuns zutrennen, worauf derselbe aber nicht 
einging. Solange warteten sämtliche Mitglieder auf dem Hausflur. Nach 
einer kurzen Unterhaltung begaben sich beide in den Hausflur, worauf Herr 
Mantzel die Mitglieder aufforderte, den vorgelegten Vertrag zu unter 
schreiben, worauf ein kurzes Nein erwidert wurde. Sämtliche Mitglieder er 
klärten Genossen B. als nicht entlassen, weil keine Gründe vorhanden waren. 
Beiliegenden Losschein, namens P., genau dasselbe. Schloß hiermit die 
Tür und sämtliche Mitglieder verließen das Gutshaus. Die Unterschriften be 
glaubigen den Sachverhalt. Vertrauensmann B. und drei Mitglieder, Kas 
sierer L., Revisor D." 
Auf dem Gute K a r l s r u h, Besitzer UdoDammer, sind am 24. De 
zember 1919 fünf Arbeiterfamilien gekündigt worden; sämtlich organisiert. 
Auf dem Gute Karlsruh sind nur sieben Familien beschäftigt, davon ist 
Familie St. schon längere Zeit entlassen; obwohl Amtsgericht und Schlich- 
tungsausschuß den Besitzer verurteilt haben, mußte St. den Dienst verlassen. 
Auf dem Gute Alt-Schlage, Besitzer L a n d b a n k, Stettin, Ver 
walter Administrator D ä m z o g, sind am 11. November 1919 vier Ar 
beiterfamilien zum 1. April 1920 gekündigt worden. Sämtliche Arbeiter sind 
1 bis 3, eine Familie schon 27 Jahre auf dem Gute beschäftigt. Entlassungs 
grund: Organisiert im Deutschen Landarbeiter-Verband. 
Auf dem Gute W a l d h o f, Besitzer v. Manteufsel, sind am 10. No 
vember 1919 fünf Arbeiterfamilien zum l. April 1920 gekündigt worden.
	        
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