Nahrungslose Lohnarbeit.
91
wohl wecken, aber nie, nie Befriedigung finden können. Wir
scheinen die social-deniokratische Definition von „Brod" nicht
unrichtig angedeutet zu haben, wenn wir die Losung hören,
welche der Voltsstaat (1873, 61) ausgibt: „Unsere Losung
„ ist — und wir sagen es frisch, fröhlich und frei: Cham,
„pagner, Klavier und Kinderwagen und die son-
„stigen schönen Dinge dieser Welt für das arbci«
„tende Volk, und dem Volk der Nichtsthuer das Zusehen!
„Wer von Ihnen Vergnügen daran hat, mag unsere Kinder-
„wagen schieben!"
Wir sind weit davon entfernt, irgend einen „Genuß"
zu einem Privilegium einer Klaffe erheben zu wollen. Aber
wir vertreten auch die Ansicht, daß der Mensch recht gut
eine ganze Summe von „Genüssen" missen kann, ohne da.
durch nur irgendwelche Einbuße an seinem „menschenwürdigen
Dasein" zu erleiden. Wenn wir den Begriff „Brod" enger
fassen und nur das, was zu des „Leibes Nahrung und Noth.
durft" gehört, ihm zuzählen, so soll damit nur die Grenze ange-
geben sein, an welcher die Berechtigung zur Klage über „Hunger"
aufhört. Nicht wollen wir aber damit auch zugleich die
Linie ziehen, die der Arbeiterstand in seiner Lebenshaltung
nie überschreiten dürfe, unterhalb welcher er stets gebannt
bleiben müsse. Wir finden es ganz in der Ordnung, wenn
die Arbeiterklasse nach einem solchen Maß von Wohlergehen
strebt, das über jene Grenze hinausgeht, und auch Dinge
in den Bereich ihres Bedürfnißkreises zieht, welche mit einer
Befriedigung der Lebeusnothdurft nichts zu schaffen haben,
vielmehr dazu dienen, das Leben nicht nur zu erhalten,
sondern auch in vernünftiger und sittiger Weise zu verschö
nern. Aber dem Arbeitcrstand „Hunger" andichten, so
lange ihm noch Genüsse versagt bleiben, welche anderen zu
gänglich sind, das charakterisirt das frevelhafte Spiel, wel-