98 IV. Die socialen Nothstände u. die Soc.-Demokratie.
„vierten Lebensjahr; in ganz Frankreich stirbt ein volles Füm-„tel
aller neugeborenen Kinder vor Vollendung des ersten Lebensjahres."
Als Ursachen dieser erschrecklichen Kindersterblichkeit
werden angegeben „das Streben der jungen Mädchen
„im Arrondissement Chinon, möglichst schnell in die Lage zu
„kommen, um als Ammen fungiren zu können. Haben sie
„einen Dienst absolvirt, so kehren sie in ihr Dorf zurück und
„dieselbe Procedur beginnt von Neuem." Ihre Kinder übergeben
sie Wärterinnen, „bei denen die Hälfte ihrct Pfleg-„linge
binnen kürzester Frist dahinstirbt. Noch schlimmer aber
„sind die „nourrices sèches“ (trockene Ammen) genannten
„Weiber, die ihr mörderisches Handwerk bei den ihnen von
„den ärmeren Frauen der Pariser Arbeiterbevölkerung über-„gebenen
Kleinen, den sogenannten pctits-Paris — Jung-„Paris
—, ausüben. Dank ihrer rafsinirten Methode befördern
sie mehr denn 70 Procent ihrer „Pfleglinge" aus bev
„Welt, ohne daß man ihnen den direkten Mord nachzuweisen
„vermöchte." Bei diesem schauerlichen Nachtgemälde haben
wir nur das Eine zu korrigiren, daß das sogenannte „Jung-Paris"
nicht wie der „N. Social-Demokrat" in tendenziöser
Absicht angibt, aus Kindern „ärmerer Frauen der Pariser
Arbeiterbevölkerung" besteht, sondern vorzugsweise aus den
in Paris so zahlreichen „Kindern der Liebe" gebildet wird,
deren unnatürliche Mütter allen Ständen angehören und
sich angelegen sein lassen, die unwillkommene Frucht der Liebe
durch den furchtbaren Dienst der sogenannten „Engelmacherinnen"
möglichst rasch verschwinden zu lasten. Natürlich
durfte von diesem Umstand, von dieser tiefsten moralischen
Korruption unser Blatt keine Notiz nehmen, es wäre sonst
der Zweck, sociales Elend zu zeichnen, vereitelt worden und
der erste Satz des Leitartikels: „Die Kinder des Proletariats."
„Für Euch ist kein Platz in der Welt!" hätte An-