Full text: Die Social-Demokratie

Ursachen der Unzufriedenheit 
117 
schlimmer! und gar leicht der völlige wirthschaftliche Ruin des 
einzelnen Arbeiters, schließlich der ganzen Klaffe herbeigeführt. 
Anstatt die Steigerung der Bedürfnisse an die Bedingung 
einer vorausgegangenen Vermehrung der Mittel zu knüpfen, 
verfährt die Social-Demokratie geradezu umgekehrt und lehrt 
ben Arbeiter, sich recht viel Bedürfnisse anzugewöhnen, weil 
möglichst viel Bedürfnisie haben „die Tugend der heutigen, 
der nationalökonomischen Zeit" sei. Eine Zunahme der Mittel 
in einer Steigerung des Arbeitslohnes werde dann schon von 
selbst sich einstellen. 
Diesen verlockenden und für den Menschen, der von einer 
Selbstbeherrschung und Selbstbeschränkung nichts weiß, gar 
leicht verführerischen Weg hat schon Laffalle den Arbeitern 
anzupreisen versucht. In seinem Arbciterlesebuch finden wir 
ans Seite 31 und 32 die Stelle: 
„Ihr deutschen Arbeiter seid merkwürdige Leute! Vor 
„sranzösischeu und englischen Arbeitern, da müßte man piai- 
„diren, wie man ihrer traurigen Lage abhelfen könne. Euch 
„aber muß man vorher erst noch beweisen, daß Ihr in einer 
„traurigen Lage seid. So lange Ihr nur ein Stück schlechte 
„Wurst habt und ein Glas Bier, merkt ihr das gar nicht 
„und mißt gar nicht, daß Euch etwas fehlt! Das kommt 
„aber von Eurer verdammten Bedürfnißlosigkeit! Wie, 
„werdet Ihr sagen, ist die Bedürfnißlosigkeit denn nicht eine 
„Tugend? Ja, vor dem christlichen Moralprediger, da ist 
„die Bedürfnißlosigkeit allerdings eine Tugend! Die Bedürf- 
„nißlosigkeit ist die Tugend des indischen Säulenheiligen und 
„des christlichen Mönches; aber vor dem Geschichtsforscher 
„nnd vor dem Nationalökonomen da gilt eine andere 
„Tugend. Fragen Sie alle Nationalökonoinen: welches ist 
„das größte Unglück für ein Volk? Wenn es keine Be- 
„bürfniffe hat. Denn diese sind der Stachel seiner
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.