Predigten des Hasses
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„Selbst, wenn mit süßlichem Lächeln der bequeme Praffer
„und der nervöse Blaustrumpf mit Humanität und Christ
lichkeit prunken wollen, wenn sie ihren leidenden „Mit-
„brüdern" und „Mitschwestern" ein karges Almosen oder
„eine dünne Wasiersuppe „aus Barmherzigkeit" oder, „um
„die sociale Frage zu löseil", zu Theil werden lasten, selbst
„dann noch rümpfen sie die Nase und zittern vor der Be-
„rührung niit dem „Lumpenpack."
„Denn sie denken: „Das ist die Canaille!"
„Ja, „das Bolk ist eine Canaille", so lange die
„Bourgeoisgesellschaft dauert. Las salle meinte einst mit
„seiner bitteren Ironie, wenn die liberale Preste den Befehl
„erhielte, an die Spitze einer jeden Zeitung mit fingerlangen
„Buchstaben diesen Satz zu drucken, sie würde in ihrer
„Feigheit nicht verabsäumen, dem Befehl zu gehorchen. Schade
„ist es, bitter schade, daß der Zwang nicht da ist; lesen
„müßte das Volk tagtäglich, daß, so lange es nicht selbst
„Hand an's Werk legt, um die neue socialistische Gesellschaft
„anzubahnen, es unter dem Druck des ehernen Lohngesetzes
„nichts Andres ist, nichts Anderes sein kann, als die noth-
„leidendc, verachtete „Canaille."
„Volk, begreife Dein Elend; Volk, denke daran, daß es
„Deine Trägheit, Deine Flatterhaftigkeit allein sind, welche
„Schuld daran tragen, wenn Du Dich nicht empor-
„raffst, wenn Du nicht die Menschenrechte zur Geltung
„bringst im Staatsleben.
„Auf Schritt und Tritt tönt Dir, o Volk, der höhnische
„Ruf „Canaille" nach. Willst Du Deine entwürdigende
„Lage bester«, forderst Du die Verwirklichung der Menschen-
„rechte, stets nennt man Dich die rohe Pöbelrotte, die nur
„auf Gewaltthat, Plünderung und Befriedigung ihrer
„Laster sinnt.