Full text : Die Social-Demokratie

190  VII.  Tie  Religion  und  die  §oc.-Demokratie.

„dadurch  niemals  zu  Recht  und  Sitte,  daß  eine  Mehrheil
„von  Menschen  und  selbst  alle  Menschen  zusammen  sie  dazu
„erklären;  ste  sind  Principien  und  Kategorien  höherer  Ord
„nung."  (Jäger.)  Hier  haben  wir's  ganz  deutlich,  „daß
„der  Verfasser  an  eine  „göttiiche  Autorität"  glaubt,  welche
„ein  für  allemal  „Recht"  und  „Sitte"  unabänderlich  fest
„gesetzt  habe."  Glaubt  er  nicht  an  Gott  —  desto  schlimmer ­
  dann  für  ihn;  denn  in  diesem  Falle  gibt  es  gar
„nichts,  worauf  er  allenfalls  seine  „höhere,  sittliche  Ord-„nung"
  il.  s.  w.  begründen  könnte."
„Bon  zwei  Dingen  Eins:
„Entweder  gibt  es  keinen  Gott  und  dann  können  wir  die
„alten  Gesetze  ändern,  so  viel  wir  nur  Lust  haben.
„Oder  es  gibt  einen  Gott  —  und  dann  wären  wir  aller  -
„dings  geleimt.
„Glücklicherweise  hat  noch  Niemand  das  Dasein  Gottes
„beweisen  können;  ergo  müssen  wir  auch  annehmen,  daß
„die  „Moral"  und  daS  „Recht"  —  wie  deren  Gegensätze
„„Unsitte"  und  „Unrecht"  —  von  Menschen  gemacht
„sind  und  darum  auch  von  uns  nach  Bedürfniß  abgeändert
„werden  können.  Und  die  sogenannten  „ewigen  Grundsätze",
„auch  die  bleiben  nur  so  lange  bestehen,  als  wir  sie  für
„passabel  halten."
Gewiß  eine  sehr  klare  und  praktische  Illustration  der
socialen  Bedeutung  der  Religion.  Mit  dem  Verfall  de  -
religiösen  Glaubens  muß  auch  der  Verfall  der  socialen  Ord«
nung  Hand  in  Hand  gehen.  Im  Atheismus  findet  der
Socialismus  die  Rechtfertigung  der  von  ihm  geplanten  socialen
Revolution.  Der  Socialismus  selbst  ist  die  letzte  und  auch
logisch  richtige  Konsequenz  des  Atheismus.
Es  hat  die  social-demokratische  Agitation  im  religiösen
Leben  der  Arbeiterwelt  schon  große  Zerstörungen  angerichtet.
            
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