200 Vili. Socialistische Zukunftsbilder
zu malen verstanden. Mit Schwarz und mit Roth. Schal,
titungen sind ihm unbekannt. Mit Schwarz zeichnet er
unsere Gegenwart, mit Roth seine Zukunft. Wir haben
schon dargelegt, wie dick er in der Uebertreibung unserer Noth
stände die schwarze Farbe aufzutragen versteht, und es bleibt
uns nur noch übrig zu zeigen, wie verschwenderisch er sein
Roth gebraucht.
Beim Versuch, den glücklichen Zustand der neuen, der
socialistischen Gesellschaft mit glänzenden Farben zn schildern,
haben schon einzelne Socialisten zn den abentelierlichsten, an
Verrücktheit grenzenden Ueberschwänglichkeiten sich verleiten lassen.
Ein Fourier suchte die Harmonie und das Glück der Gesellschaft
in der Befriedigung aller Triebe und stellte u. A. die Um
wandlung des reißenden Löwen in ein elegantes Reitpferd und
die Verwaudelung des salzigen Meerwassers in wohlschmeckende
Limonade in Aussicht. Von solchen Thorheiten hat die deutsche
Social-Demokratie sich freigehalten. Sie dehnt ihre Hoffnungen
nicht aus bis zum Verschwinden aller Mißbildungen in der Natur
und bis zur Herstellung der vollkommensten Harmonie zwischen
Natur- und Menschcnlebeit, sondern erwartet, daß unter
der neuen Gesellschastsforin ein jeder einzelne Mensch zur
höchsten Entwickelung gelangen und daß es keinem Menschen
an irgend etwas fehlen werde, das er zu seinem Glücke
braucht. F. Lassalle hat schon bei seinem erstmaligen Auf
treten unter den Arbeitern eine verlockende Perspektive eröff
net, und die höchste Kultur in Aussicht gestellt. Er schreibt
in seinem Arbeiterprogramm (S. 381:
„Ein Staat also, welcher unter die Herrschaft der Idee
„des Arbeiterstandes gesetzt wird, würde nicht mehr, wie
„freilich auch alle Staaten bisher schon gethan, durch die
„Natur der Dinge und den Zwang der Umstände unbewußt
„und oft sogar widerwillig getrieben, sondern er würde mit