209
Ehe.
Der Kampf der Social-Demokratie gegen das Kapital
und Privaleigenthum wird auch zu einem Kampf gegen die
moderne Ehe, da nach socialistischer Anschauung unsere heutige
Ehe ausschließlich vom Kapital beherrscht ist. Eine Auf
hebung unserer heutigen Ehe, deren rechtliche Gültigkeit an
staatliche und kirchliche Voraussetzungen geknüpft ist, ist vonl
Socialismus ebenso entschieden gewollt, wie die Beseitigung
der heutigen kapitalistischen Produktionsweise. Beides hängt
mit einander eng zusammen. Daher kann auch der „Volks-
ftslslt" (1874, 30) der Anschauung des „neuen Kommunisten"
Dühring nicht entgegentreten, sondern muß ihr beipflichten
und schreiben: „Eine weitere Konsequenz der gesellschaftlichen
„Umgestaltung ist die vollständige Gleichberechtigung der Ge-
„schlechter und die Aufhebung der nut dem bürgerlichen
„Eigenthum auf's engste verwachsenen Ehe in ihrer heutigen
„Form." Hieraus schon eine Aufhebung der Ehe überhaupt
folgern zu wollen, wäre doch etwas zu voreilig. Mit dem
selben Recht könnte und müßte man die sich in unseren
Tagen vollziehende Aenderung der seitherigen Forni der Ehe
schließung als eine Aufhebung der Ehe hinstellen. Es fournit
darauf an, zu prüfen, was für eine nelle Form die Social-
Demokratie an Stelle der von ihr vernrtheilten heutigen Form
der Ehe setzen will. Das socialistische Programm gibt uns
natürlich hierüber leinen Aufschluß. Es ist dies ein Punkt,
der sich in der neuen Gesellschaft von selbst den socialistischen
Principien gemäß regeln wird. Es fehlt jedoch nicht an
Andeutungen, wie es in der Zukunft werden soll, die aus
reichend sind, um uns ein Urtheil über die socialistische Ehe
zu bilden. Liebknecht verwahrt sich in seiner Broschüre „Zu
Schutz und Trutz" gegen den Borwurf der Weibergelneinschaft
und schreibt (S. 29): „Die Vertreter dieser^Gesellschaft
„der Prostitution haben die Stirne, uns rorzuwerfen —
Schuster, Tie Social-Tcmokralie. 14