Full text : Die Social-Demokratie

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Ehe.

Der  Kampf  der  Social-Demokratie  gegen  das  Kapital
und  Privaleigenthum  wird  auch  zu  einem  Kampf  gegen  die
moderne  Ehe,  da  nach  socialistischer  Anschauung  unsere  heutige
Ehe  ausschließlich  vom  Kapital  beherrscht  ist.  Eine  Aufhebung ­
  unserer  heutigen  Ehe,  deren  rechtliche  Gültigkeit  an
staatliche  und  kirchliche  Voraussetzungen  geknüpft  ist,  ist  vonl
Socialismus  ebenso  entschieden  gewollt,  wie  die  Beseitigung
der  heutigen  kapitalistischen  Produktionsweise.  Beides  hängt
mit  einander  eng  zusammen.  Daher  kann  auch  der  „Volksftslslt"
  (1874,  30)  der  Anschauung  des  „neuen  Kommunisten"
Dühring  nicht  entgegentreten,  sondern  muß  ihr  beipflichten
und  schreiben:  „Eine  weitere  Konsequenz  der  gesellschaftlichen
„Umgestaltung  ist  die  vollständige  Gleichberechtigung  der  Ge-„schlechter
  und  die  Aufhebung  der  nut  dem  bürgerlichen
„Eigenthum  auf's  engste  verwachsenen  Ehe  in  ihrer  heutigen
„Form."  Hieraus  schon  eine  Aufhebung  der  Ehe  überhaupt
folgern  zu  wollen,  wäre  doch  etwas  zu  voreilig.  Mit  demselben ­
  Recht  könnte  und  müßte  man  die  sich  in  unseren
Tagen  vollziehende  Aenderung  der  seitherigen  Forni  der  Eheschließung ­
  als  eine  Aufhebung  der  Ehe  hinstellen.  Es  fournit
darauf  an,  zu  prüfen,  was  für  eine  nelle  Form  die  Social-Demokratie
  an  Stelle  der  von  ihr  vernrtheilten  heutigen  Form
der  Ehe  setzen  will.  Das  socialistische  Programm  gibt  uns
natürlich  hierüber  leinen  Aufschluß.  Es  ist  dies  ein  Punkt,
der  sich  in  der  neuen  Gesellschaft  von  selbst  den  socialistischen
Principien  gemäß  regeln  wird.  Es  fehlt  jedoch  nicht  an
Andeutungen,  wie  es  in  der  Zukunft  werden  soll,  die  ausreichend ­
  sind,  um  uns  ein  Urtheil  über  die  socialistische  Ehe
zu  bilden.  Liebknecht  verwahrt  sich  in  seiner  Broschüre  „Zu
Schutz  und  Trutz"  gegen  den  Borwurf  der  Weibergelneinschaft
und  schreibt  (S.  29):  „Die  Vertreter  dieser^Gesellschaft
„der  Prostitution  haben  die  Stirne,  uns  rorzuwerfen  —
Schuster,  Tie  Social-Tcmokralie.  14
            
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