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Anhang.
zur Bestreitung seiner Bedürfnisse nicht aus. Er war das
Leben der großen Welt gewöhnt. Auch als Arbeiterkönig
ließ er in seiner genußsüchtigen Lebensweise keine Aenderung
eintreten. So geschickt er gegen „Bourgeoisie" und Kapital
zu Felde zu ziehen verstand, so behaglich war es ihm in
den Lebensgewohnheiten der Bourgeoisie und im Genuß seines
arbeitslosen Einkommens. Er selbst war ein ächter „ Borir-
geois" von der Fußsohle bis zum Scheitel. Er war ein
anderer als ökonomischer Theoretiker, ein anderer als Prak
tiker. In der Theorie bekämpfte er die Produktivität des
Kapitals, in der Praxis ließ er sich die Renten seines Kapi
tals recht Wohlgefallen und führte ein genußsüchtiges Leben,
nach seiner eigenen Beweisführung also vom Schweiße der
Arbeiter. Die Anschuldigungen, welche die Socialisten bis
auf den heutigen Tag gegen die Bourgeoisie, überhaupt gegen
die genußsüchtige große Welt, und gewiß vielfach nicht ohne
Grund erheben, die treffen nicht in letzter Linie den ehemaligen
Arbeiterkönig Lassalle. Dies hindert aber seine Anhänger
nicht, von chut zu rühmen: „Er, der doch ein Leben voll
„Genuß und Zufriedenheit haben konnte, ist von der höchsten
„Höhe der Zufriedenheit und des Wohlstandes herabgestiegen
„in das Proletariat."
Lasialle war gewohnt, die Sommermonate an verschiedenen
Badeorten zuzubringen. Nachdem er die Sorgen der Bereins-
leitung auf die Schultern des Viccpräsidenten Dämmer gelegt
hatte, begab er sich im Sommer 1864 nach Rigi-Kaltbad.
Dort traf er wieder mit Fräulein Helene von Dönniges
ans Genf zusammen, welche er schon früher in Berlin kennen
gelernt hatte. Wegen Lassalle's Haltung überhaupt den
Frauen gegenüber mußte dieselbe ihr Verhältniß mit ihm
abbrechen. Wiewohl Helene von Dönniges bei der zweiten
Begegnung in Rigi bereits die Braut eines Andern, des