Full text : Die Social-Demokratie

Aus  bfnt  l’iben  Ferdinand  Lassalle's  231
„richten.  —  —  Auf  der  großen  Todtenfeier  zu  Castel  bel
„Düsseldorf,  an  der  die  sälnmtlichen  Socialistcngeineinden  des
„Rheinlandes  Antheil  nahmen,  konnte  man  in  den  Reden  der
„Arbeiter  Worte  hören,  welche  sehr  stark  an  den  christlichen
„Mythus  von  der  Kreuzigung  und  Auferstehung  des  Heilandes
„erinnerten."  Bei  solchen  Todtenfeiern  trat  neben  die  Klage
über  den  Dahingeschiedenen  die  Prophetie:
„Es  tönen  die  Worte,  die  er  ruft,  wie  aus  dem  Himmelreich:
„Mein  Reich  zerstöret  nimmer  der  Tod,  so  lauge  die  Erde
kreis't!
„Schon  schimmert  des  Tages  Morgenroth,  der  ein  neues
Leben  verheißt!
„Doch  wenn  dereinst  die  Stunde  schlägt,  da  steigt  aus  dem
Grabe  empor
„Sein  mächtiger  Geist,  und  siegend  trägt  er  das  freie  Banner
uns  vor."
So  nahm  mit  Lassalle's  Tode  ein  förmlicher  Lassalle-Kultus
  seinen  Anfang,  der  Lastalle  als  einen  Heiligen,  als
einen  neuen  Messias,  seine  Schriften  als  Evangelium,  seine
Lehre  als  unfehlbar  darstellt.  „Das  Auftreten  der  socialisti-„scheu
  Propaganda  int  religiös-fanatischen  Gewände  schien  um
„der  Rettung  der  Sache  willen  von  der  Klugheit  geboten  zu
„sein",  wie  B.  Beller  ausdrttlllich  bekennt.  Der  Lassalle-Kultus
  hat  sich  bei  den  Lastalleanern  bis  auf  diesen  Tag
ungeschwächt  und  unverändert  erhalten.  Alljährlich  am  31.
August  werden  neue  Todtenfeiern  veranstaltet,  bei  welchen
die  Apotheose  Lassalle's  niemals  Unterlasten  wird.  Lassalle
wird  neben  Christus  gestellt  und  als  Erlöser  der  Welt  verherrlicht. ­
  „Jesus  von  Nazareth  ist  todt,  es  lebe  Ferdinand
Lassalle!"  (vergi.  Abschnitt  VII.  Die  Religion  und  die  Social-Demokratie.)

Die  Anhänger  der  „social-demokratischen  Arbeiterpartei"
halten  sich  von  dieser  Art  Götzendienst  frei,  und  machen
            
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