Full text: Die Social-Demokratie

Officieller Charakter der Prefie. 19 
weit die Auslassungen der socialistischen Presse der Social 
demokratie überhaupt zur Last gelegt werden dürfen. Wir 
müssen uns hierüber klar werden, da es eine beliebte Taktik 
der social-demokratischen Führer und Agitatoren ist, sobald 
ihnen unbequeme Zengniste aus ihren eigenen Blättern vor- 
fiehaltcn werden, die Mitverantwortlichkeit von stch zu weisen, 
"ņd in Betreff des Inhalts der socialistischen Preste die 
Solidarität der ganzen Partei nicht anzuerkennen. In der 
>nl Parteilokal der Stuttgarter Lastalleaner am 22. Decbr. 
ü ' 3. stattgefundenen öffentlichen Versammlung glaubte der 
Agitator Drccsbach über einzelne ihn, unbequeme Citate 
auv dem „Neuen Social-Demokrat" dadurch leicht hinweg 
zu kommen, daß er deren Inhalt für die Privatmeinung 
Einzelner ausgab, mit der die Partei nichts zu schaffen 
habe. Ebenso wußten in der öffentlichen Versammlung in 
Pforzheim am 24. Januar d. I. die dortigen socialistischen 
Parteiführer Wankmüller und Lehmann gegenüber der reichen 
Anzahl von aus ihrer eigenen Parteipreste citirten Belastungs 
zeugen keinen anderen Ausweg, als kurzer Hand die Aner- 
kenntniß ihrer Preßorgane als einer zuverlässigen und glaub- 
ürdigen Ouielle für die Erkenntniß des Socialismus zu 
verweigern. Wir wollen es zwar glauben, daß es recht 
a a scm mag, o«g seinen eigenen Parteiorganen in öffent- 
lcher ersammlttng Tinge vorlesen zu hören, welche die 
Parteimitglieder vor jedem unbefangenen Urtheil stark compro- 
mittiren; Tinge, über die nian unter sich wohl längst einig 
lşi, zu deneu in öffentlicher Versammlung sich zu bekennen 
u>an aber doch noch Anstand nehmen muß. Aber trotzdem, 
aßdie Kinder ihre eigene Mutter, die Parteimitglieder ihre 
Parteipreste verleugne«, wird an der solidarischen Haftbarkeit 
lener für die Preßproducte ihrer Partei nichts geändert. 
Wir haben es bei den Hauptorganen der socialistischen Preste 
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