24 H. Das Teutsche Reich u. die Social-Demokratie.
tariats ist aber nicht ein erstarkender, sondern nnr ein in
seiner Macht gebrochener Staat günstig.
In Frankreich, das länger als Deutschland durch socia
listische Bestrebungen beunruhigt ist, und als das eigentliche
Vaterland des Socialismus angesehen werden darf, sind
darum auch die Krisen, in welche die innere oder die
äußere Politik den Staat hineingeführt hat, stets von socia
listischen Erhebungen, von Proletarierschlachten behnfs Er
oberung der Staatsgewalt für das Proletariat, begleitet
gewesen. Eine Pariser Kommune war nur möglich auf den
Trümmern des französischen Kaiserreichs. So wird's auch
wohl für die Zukunft in Frankreich bleiben und für Deutsch
land werden, daß politische Verwickelungen für die social
demokratische Partei das Signal sind, das Proletariat, die
Arbeiterbataillone zum Kampf um die Staatsgewalt aufzu
rufen, um durch deren Besitz die nothwendige Vorbedingung
für eine socialistische Gesellschaftsorganisation zu erfüllen.
Schon Lassaste trug sich mit der Hoffnung, anläßlich
einer politischen Verwickelung seiner Sache rasch zum Siege
verhelfen zu können. Im Frühjahr 1864 gibt er in einem
Briefe an seinen General-Bevollmächtigten seiner schmerzlichen
Enttäuschung einen Ausdruck und schreibt: „Gleichwohl
„werde ich die Fahne nicht fallen lassen, so lange noch irgend
„ein Hoffnungsflämmchen an dem politischen Horizonte blinkt.
„. . . Wer hätte diese Mattheit und Theilnahmlosigkeit für
„möglich halten sollen! Das wird sich erst wirklich ändern,
„wenn gewisse politische Ereignisse eintreten und die Massen
„in Bewegung bringen. Und solche Ereignisse können aller-
„dings in einiger Zeit kommen."*)
Lassalle hatte recht gesehen, die ersehnten und prophezeiten
*) I)r. Eugen Jäger, Der moderne Socialismus S.ñIL n 313.