Reichsfeindlichkeit.
25
politischen Ereignisse samen bald, wenn er selbst sie anch
nicht erleben sollte. Aber anstatt Deutschland zn schwächen,
ist unser Vaterland nur mit bedeutend vermehrter Macht
aus ihnen hervorgegangen. Und dieser Umstand, über den
sich jeder wahre Patriot von Herzen freut, ist unseres Er-
achtens die Hauptursache des tiefen Grolls, den die deutsche
^ocial-Demoļratie, am meisten die Eisenacher Fraction, die
„social-demokratische Arbeiterpartei" gegen das Deutsche Reich
im Herzen trägt. Die Aussicht auf einen endlichen Sieg
des deutschen Socialismus ist dadurch in weite Ferne gerückt
worden. Die bald zugestandene, bald auch in Abreve gestellte
„Reichsfeindlichkeit" hat darin ihre Ursache, daß beim Wieder»
aufbau des Teutschen Reichs die Social-Temokratie keine
Gelegenheit fand, ihre socialistischen Principien dem Neubau
zur Basis zu geben, und weil dem neuen Staatsgebäude
eine solche Macht inne wohnt, daß die Errichtung des socia
listischen „Volksstaats", wenn je ein solcher, was wir bestreiten,
nur irgendwelche Aussicht haben sollte, in weite, ferne Zukunft
gerückt erscheinen muß, was freilich nicht ausschließt, daß die
Ungeduld und Verblendung der socialistischen Führer über
kurz oder lang einen Versuch wagen können. Gewiß nicht
Zufällig ergriff gerade bei Berathung des Militärgesetzes am
20. April 1874 das socialistische Reichstagsmitglied Julius
Molteler die Gelegenheit, die „Reichsfeindlichkeit" der Social-
Temokratie dahin zu definiren: „Wir sind Gegner des
„Reichs, insofern das Reich bestimmte Einrichtungen repräsentirt,
„unter denen wir uns gedrückt fühlen, unter denen wir leiden;
„wir sind aber nicht Gegner des Reichs als eines solchen,
„als eines nationalen, als eines staatlichen Ganzen, sondern
„wir sind Gegner jener Einrichtungen im Reich, die uns am
„meisten beschweren, die uns am gewaltigsten drücken. Nun,
„meine Herren, eine solche Jnstitulion ist obenan der Milita-