Full text: Die Social-Demokratie

Reichsfeindlichkeit. 
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politischen Ereignisse samen bald, wenn er selbst sie anch 
nicht erleben sollte. Aber anstatt Deutschland zn schwächen, 
ist unser Vaterland nur mit bedeutend vermehrter Macht 
aus ihnen hervorgegangen. Und dieser Umstand, über den 
sich jeder wahre Patriot von Herzen freut, ist unseres Er- 
achtens die Hauptursache des tiefen Grolls, den die deutsche 
^ocial-Demoļratie, am meisten die Eisenacher Fraction, die 
„social-demokratische Arbeiterpartei" gegen das Deutsche Reich 
im Herzen trägt. Die Aussicht auf einen endlichen Sieg 
des deutschen Socialismus ist dadurch in weite Ferne gerückt 
worden. Die bald zugestandene, bald auch in Abreve gestellte 
„Reichsfeindlichkeit" hat darin ihre Ursache, daß beim Wieder» 
aufbau des Teutschen Reichs die Social-Temokratie keine 
Gelegenheit fand, ihre socialistischen Principien dem Neubau 
zur Basis zu geben, und weil dem neuen Staatsgebäude 
eine solche Macht inne wohnt, daß die Errichtung des socia 
listischen „Volksstaats", wenn je ein solcher, was wir bestreiten, 
nur irgendwelche Aussicht haben sollte, in weite, ferne Zukunft 
gerückt erscheinen muß, was freilich nicht ausschließt, daß die 
Ungeduld und Verblendung der socialistischen Führer über 
kurz oder lang einen Versuch wagen können. Gewiß nicht 
Zufällig ergriff gerade bei Berathung des Militärgesetzes am 
20. April 1874 das socialistische Reichstagsmitglied Julius 
Molteler die Gelegenheit, die „Reichsfeindlichkeit" der Social- 
Temokratie dahin zu definiren: „Wir sind Gegner des 
„Reichs, insofern das Reich bestimmte Einrichtungen repräsentirt, 
„unter denen wir uns gedrückt fühlen, unter denen wir leiden; 
„wir sind aber nicht Gegner des Reichs als eines solchen, 
„als eines nationalen, als eines staatlichen Ganzen, sondern 
„wir sind Gegner jener Einrichtungen im Reich, die uns am 
„meisten beschweren, die uns am gewaltigsten drücken. Nun, 
„meine Herren, eine solche Jnstitulion ist obenan der Milita-
	        
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