Full text: Die Social-Demokratie

28 II. Tas Deutsche Reich u. die Social-Demokratie. 
tragen und seine Sprache reden, tritt einem, sein Volk und 
sein Vaterland liebenden Deutschen, die Schaniröthe in's 
Angesicht. Wir kennen keinen Fall ähnlicher, schmählicher 
Herabwürdigung, die ein Volk durch einen Theil seiner eigenen 
Volksgenossen, die Mutter durch ihre eigenen Kinder erfährt. 
Der französische Socialist steht in dieser Beziehung weit über 
dem deutschen Social-Demokratcn. Nur die erfahrene Ent- 
tänschnng in der verdienten Niederlage der Gesinnungsgenosien 
in der Pariser Kommune unter mittelbarer Assistenz der 
deutschen bewaffneten Macht, sowie der für eine Verwirklichung 
der socialistischen Ideen hoffnungslose Ausblick in die nächste 
Zukunft machen es einigermaßen erklärlich, daß sich im Lager 
der deutschen Social-Deinokratie so viel Gift und Galle an- 
qesamnielt hat, welche bei jeder Gelegenheit über den deutschen 
Namen ansgegossen werden. Hervorragend sind hierin ganz 
besonders die Leistlingen des „Volksstaat", der fast aus 
schließlich von der „Preußenfeindlichkeit" lebt. Wollte man 
alle seine Artikel, die Feindschaft wider Preußeli und dessen 
verdienstvolle Staatsmänner athmen, — denn in Preußen, 
dem hervorragendsten Bnndesglied bekämpft besonders die 
Eisenacher Fraction das Deutsche Reich — mit Druckerschwärze 
überziehen, dann würde dieses Blatt das Aussehen eines 
Leichentuchs erhalten, das nur von wenigen weißen Streifen 
durchzogen ist. 
Noch während die deutschen Heere in Feindesland sich 
befanden, begann die antideutsche Politik der Social-Demo- 
kratie offen hervorzutreten. Bekannt ist die Lötzener Affaire, 
die wegen Vergehen gegen die öffentliche Ordnung zuni 
Braunschweiger Prozeß wider den Ausschuß der „social 
demokratischen Arbeiterpartei" geführt hat.*) Nach der 
: ) Bolksstaat 1871: 96 ff.
	        
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