Sociale Lrdnung
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nicht im Eritfcrntesten das Streben, die korrumpirteu Zustände
zu beseitigen und bessere sociale Verhältnisse herbeizusühren.
An dieser Aufgabe arbeiten alle mit, welche die
Bedeutung der socialen Frage für die Gegenwart und Zukunft
erkannt haben. Dagegen eigenthümlich ist der Social-Demolratie
der principielle Gegensatz Zur bestehenden Gesellschaftsform
und Ordnung und der feste Vorsatz, mit allem Bestehenden
in Staat, Gesellschaft, Kirche und Familie gründlich
aufzuräumen und auf der Basis völliger Gleichl)cit eine neue
Gesellschaftsform zu schaffen. Der Kampf wider die Social-Temolratie
ist somit nicht eine Auflehnung wider eine Heilung
vorhandener socialer Nothstände und Gebrechen, sondern ein Eintreten
für den Bestand der von ihr angefeindeten bestehenden
socialen Ordnung. Und wer noch nicht weiß, ob er die
Social-Demolratie betämpsen oder toleriren soll, ob er es
mit ihr halten, oder wider sie auftreten will, der frage sich
nicht, ob er für oder wider eine Heilung der eingerissenen
Korruption ist, sondern ob er es mit der bestehenden Grundlage
der socialen Ordnung halten will oder nicht. Die Beantwortung
dieser Frage kann für unsere Stellung zur
Social-Demokratie allein maßgebend sein.
Die bestehende gesellschaftliche Ordnung hat allerdings
wenig Aehnlichkcit mit dem socialistischen Gcsellschaftsideal,
mit dem geplanten socialistischen Volksstaat. Ihr Charakter
ist die Mannigfaltigkeit, das Vorhandensein verschiedener
Abstufungen der Gesellschaftsglieder, die Verschiedenheit in
Lebensstellung und Besitz. Sie vereinigt Hohe und Niedere,
Herren und Diener, Reiche und Arme zu einem gesellschaftlichen
Organismus. Nicht werden die Einen zum Herrschen
und die Anderen zum Dienen geboren, nicht wird ein Jeder
auf seiner Stufe zeitlebens festgehalten, das wäre die Kaste,
die wir nicht kennen, sondern es findet ein ständiger Ueber-Schuster.
Die Locial-Temokratie. 4