Full text: Die Social-Demokratie

Unkenatniß der socialistischen Ziele. 
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zu, sie werden durch die Kritik der socialen Zustände und 
"Nothstände, worin der „Agitator" seine Force hat, den 
kippen entrissen, sie ertönen am lautesten, wenn das Rai 
sonnement am ezcessivsten war, wenn die Kritik dem Faß 
den Boden eingeschlagen hat. Sehr oft kommen uns Aeuße 
rungen einzelner Parteigenossen zu Ohren, welche eine totale 
Unlenntniß der wahren socialistischen Ziele verrathen, und 
Zeugniß davon ablegen, in was für kindlich naiven Vor 
stellungen über den Socialismus viele seiner Anhänger noch 
besangen sind. Der Eine verwahrt sich alles Ernstes gegen 
die kominttnistische Tendenz der Social-Demokratie; der 
Andere hält seinen christlichen Glauben durch die Social- 
Demokratie keineswegs für gefährdet, und lebt noch in dem 
Wahn, als Ehrist auch ein Socialist sein zu können.*) 
Diese Beispiele beweisen, wie wenig die einzelnen Parteige 
nossen sich liber das Ziel, dem ihre Partei sie entgegenführt, 
klare Rechenschaft zu geben vermögen; würden Alle von 
lhrenl Denkvermögen den richtigen Gebrauch machen, dann 
müßten die Reihen der Social-Demokraten sich sehr lichten. 
Der Socialismus hat, um nur auf einen untergeordneten 
Punkt hinzuweisen, „die Brüderlichkeit" auf seine Fahne 
geschrieben. Im socialistischen Zukunftsstaat soll im Gegen 
satz zum „jetzigen egoistischen Klassenstaat" die Brüderlichkeit 
das Regiment führen. Die Basis der Brüderlichkeit ist das 
*) Der Social-Demokrat Wankmüller in Pforzheim machte 
sich sogar der Ketzerei schuldig, in öffentlicher Bersaiinnlung seine 
Hoffnung, „es auch noch einmal für seine Person bis zu einem 
reichen Fabrikanten zu bringen", ehrlich zu bekennen. Wir wollen 
diesem Social-Demokraten eine baldige Erfüllung seiner Hoffnung 
von ganzem Herzen wünschen. Wie er aber eine solche Hoffnung 
mit seinem socialistischen Glaubensbekenntniß zusammen reimen 
will, das geht über unser Verstehen. 
Schuster. Tie Locial-Dcmokratie. tz
	        
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