Tas eherne Lohngesetz.
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„brennt. Wir fordern ein radikales Mittel, und das ist:
„ein menschenwürdiges Dasein für das Bolk."
„Nicht die von den Aerzten Cholera genannte
„Krankheit ist es, gegen welche wir den Hebel anzustemmen
»haben. Es ist vielmehr die sociale Cholera, das
„eherne Lohngesetz. Bricht dieses zusammen, erhebt
„sich die neue socialistische Gesellschaft aus den Trümmern
„der alten, dann hat die den Zweck des allgemeinen Wohles
„verfolgende Menschheit Mittel genug, um mit Hilfe der
„Wissenschaft auch die verheerenden Krankheiten zu
„bändigen, wie sie schon jetzt sich die Natnrkräfte zur Pro-
„dnktion dienstbar gemacht hat."
Hätte der Leitartikel sich darauf beschränkt, zu sagen:
wir denunciren die schlechten Wohnungen, in welchen das
Proletariat bei empfindlichem Mangel an Luft und Licht dicht
zusammengedrängt lebt, als mitwirkende Ursache der
raschen Ausbreitung der Cholera, so würde er damit
freilich nichts Neues, aber auch nichts Unsinniges gesagt
haben. Aber die Denunciation der heutigen Produktionsweise
als Grundursache jener Seuchen, also nicht ihrer
Ausbreitung, sondern ihrer Entstehung, zeigt, wie weit sich
eine tendenziöse Voreingenommenheit verirren kann; sie ist
nur möglich bei einem völligen Verranntsein in das socialistische
Dogma von der ausschließlichen Schuld der kapitalistischen
Produktionsweise, auch der nicht ausgearteten, also des be
stehenden Lohnverhältnisses schlechtweg an allem Uebel in
der Welt. Das Auftreten der Cholera wird mißbraucht,
um das sogenannte „eherne Lohngesetz" der Arbeiterwelt als
ein rechtes Schreckgespenst, als die alle Seuchen erzeugende
„sociale Cholera" vor die Augen zu malen. Die Social-
Demokratie versteht unter dem „ehernen Lohngrsetz" das
Gesetz, welches die Höhe des Arbeitslohnes bestimmt. Sie