Full text: Om kredit och vexlar

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„So versuchen wir es einmal mit den Verhältnissen, in denen mein 
Grotzvater, der Tischler, lebte," meinte nun Karl. „Damals waken die Zu 
stände doch auch noch viel einfacher als heute, und dabei arbeitete der Grotz- 
vater doch nicht, wie der Bauer, für sich selbst, sondern zum Verkauf an 
Kunden." 
. „Da hast du ganz recht," entgegnete ich, „jedenfalls können wir ja 
den Versuch machen. Stelleir wir uns also eine Gesellschaft, etwa eine Stadt, 
vor, wo die Waren von selbständigen Kleinnieistern hergestellt werden, die 
meist auf Bestellung zum Verkauf arbeiten. Nehmen wir da zum Beispiel 
einen Schneider und einen Hutmacher. .In welchem Verhältnis werden die 
ihre Produkte miteinander tauschen?" 
„Das wird dock", meinte Wilheln,, „wesentlich wieder davon abhängeir, 
wie teuer der Rohstoff ist, den beide verarbeiten, und wie teuer die Werkzeuge 
sind, die sie benützen." 
„Das ist ganz richtig," antwortete ich; „doch hat der Wert der Werk 
zeuge damals keine große Rolle gespielt. Maschinen gab es fast gar nicht, und 
die Handwerkszeuge vererbten sich meist vom Vater auf bett Sohn, ihr Wert 
war ebenso gering wie ihre Abnützung. Davon können wir also absehen. 
Anders liegt die Sache mit dem Rohmaterial. Um uns aber die Frage zu 
vereinfachen, wollen wir vorläustg annehmen, daß das Rohmaterial, das der 
Schneider etwa in einer Woche verarbeitet, sich gegen das eintauscht, das der 
Hutmacher in derselben Zeit vernutzt." 
„Ja, wenn du so etwas annimmst," warf Wilhelm ein, „dann machst 
du dir die Sache freilich leicht."' 
„Das will ich ja auch," antwortete ich. „Eine schwierige Frage mutz 
inan sich immer nach Möglichkeit zu vereinfachen suchen. Solche Annahmen 
wie die von dem gleichen Tauschwert des Rohmaterials sind da sehr nützlich, 
und sie sind auch erlaubt, wettn man sich gut merkt, daß man diese An 
nahme gemacht hat, und zum Schluß untersucht, was sich an bent Ergebnis 
ändert, wenn man jene Annahme fallen läßt." 
„Also gut," rief darauf Wilhelm lachend; „ich werde schon acht geben 
und dir scharf auf die Finger schauen, daß du nicht schwindelst und am Ende 
jene Annahme unter den Tisch fallen läßt." 
„Einverstanden!" stimmte ich zu; „aber ich bin ja kein Taschenspieler 
und will euch nichts vorschwindeln, sondern wir wollen die Frage gemeinsam 
itntersuchen. 
Wir nehmen also zunächst an, daß das von den beiden m einer Woche 
verarbeitete Rohmaterial den gleichen Tauschwert hat. Wenn nun der 
Schneider in dieser Woche zwei Röcke und der Hutmacher drei Hüte anfertigt, 
dann werden auch die zwei Röcke sich austauschen gegen die drei Hüte." 
„Oho!" riefen Karl und Wilhelm wie aus einem Munde. „Das be 
hauptest du, aber du mutzt es uns erst beweisen." 
„Ganz richtig," antwortete ich; „das ist nicht so schwer. Wenn zum Bei 
spiel die drei Hüte gegen einen Rock ausgetauscht würden, dann würden 
die Schneider in kürzester Zeit viel reicher werden als die Hutmacher; denn 
ihre Arbeit würde doppelt so viel schaffen wie die jener. Das könnte aber 
nicht lange bcytern; denn bald würden alle Leute, und besonders alle Hut- 
inacher, Schneider werden wollen. Es würden dann sehr viele Röcke und nur 
mehr sehr wenige Hüte gemacht werden, die Hüte würden teuer und die 
Röcke billig werden, man würde schließlich schon zwei Röcke für einen Hut 
hergeben müssen. Dann wiirden wieder die Hutmacher reich und die Schneider
	        
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