Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

16

nach  3  Stunden  •  1  Fall.
5’  2  Stunden  1  -
Die  Dosis  des  eingenommenen  Giftes  ist  nur  in  wenigen  (5)  Fällen  angegeben, ­
  Dieselbe  schwankt  zwischen  einigen  Tropfen  und  einem  grossen  Branntweinglas ­
  voll;  es  lässt  sich  jedoch  weder  die  Schwere  des  einzelnen  Falles,  noch
der  Zeitpunkt  des  Auftretens  der  ersten  Vergiftungserscheinungen  mit  der  Grösse
der  eingenommenen  Dosis  in  Einklang  bringen.  Wesentlich  hierbei  ist  jedenfalls
der  wirkliche  Gehalt  der  getrunkenen  Flüssigkeiten  an  reinem  Nitrobenzol;  ohne
eine  grosse  Verschiedenheit  in  dieser  Richtung  Hessen  sich  sonst  nicht  scheinbare
Widersprüche  in  der  Literatur  erklären,  nach  welcher  z.  B.  in  dem  einen  Falle
(Bahrdt)  nach  6—7  Tropfen  der  Tod  eintrat,  während  in  einem  anderen  Falle
(Braglocher)  der  Genuss  von  400  g  bei  einem  40jährigen  Manne  mit  Genesung ­
  endete.  Bezüglich  der  Applicationswege  im  Verhältniss  zu  dem  Ausgang
scheint  ein  wesentlicher  Unterschied  zu  sein,  indem  in  den  4  Intoxicationen  per
Inhalation  eine  tödtlich  und  3  in  Genesung,  von  den  36  per  os  13  tödtlich  und
23  in  Genesung  endigten.  Es  ist  dies  insofern  wesentlich,  als  hieraus  die  geringe ­
  Gefährlichkeit  (ähnlich  wie  bei  Carbol)  der  Manipulationen  mit  Nitrobenzol
in  Fabriken,  bei  welchen  ausschliesslich  das  Verschütten  resp.  Verdunsten  des
Nitrobenzols  die  Ursache  der  Vergiftungen  abgiebt,  hervorgeht.  Auch  befinden
sich  unter  den  erwähnten  44  Fällen  von  Nitrobenzolvergiftungen  nur  4,  welche
durch  Fabrikbeschäftigung  entstanden  sind;  von  den  andern  40  waren  33  durch
Zufall,  3  durch  den  Versuch  zum  Selbstmord  und  4  aus  nicht  angegebenen  Ursachen ­
  entstanden.  Auch  steht  fest,  dass  die  Nitrobenzol-Vergiftungen  in  den
letzten  Jahren  wesentlich  geringer  wurden.  Wenigstens  war  es  nicht  möglich,
in  der  mir  zu  gängigen  Literatur  aus  den  Jahren  1877  und  1878  mehr  wie
einen  Fall  zu  den  aus  dem  Jahre  1876  stammenden  Statistiken  von  Böhm  und
Jfldell  hinzuzufügen.
In  Betreff  der  pathologischen  Anatomie  stimmen  die  Angaben  nicht  immer
überein,  und  es  ist  deshalb  um  so  schwieriger  ein  genaues  Bild  zu  geben,  als  die
Anzahl  der  Sectionen  eine  sehr  geringe  (7)  ist.  Soviel  steht  jedoch  auf  der  einen
Seite  fest,  dass  niemals  Veränderungen  in  den  Organen  des  Körpers  gefunden
werden,  welche  für  Nitrobenzol-Vergiftung  characteristisch  wären,  während  auf
der  anderen  Seite  Hyperämie  in  dem  venösen  Kreisläufe,  Ecchymosen  der  Schleimhaut ­
  des  Magens  und  der  sie  zunächst  begränzenden  Mucosa  der  Speiseröhre  und
des  Dünndarms  neben  dunkelbraunem,  schwer  gerinnbarem  Blute  und  der  Persistenz ­
  des  specifisclien  Bittermandelöls-Geruchs  sich  übereinstimmend  in  allen
Sectionsprotocollen  finden.
Was  die  Behandlung  der  Nitrobenzol-Vergiftungen  anbelangt,  so  gibt  es  kein
speciflsches  antidotorisches  Verfahren.  Entfernung  des  Kranken  aus  der  Nitrobenzolathmosphäre,
  event.  Entleerung  des  Magens  durch  Brechmittel  oder  Magenpumpe, ­
  was  bei  Vergiftungen  per  os  bei  der  langsamen  Resorbirbarkeit  des  Nitrobenzols ­
  auch  in  vorgerücktem  Stadium  noch  indicirt  ist  ;  Excitantien,  künstliche
Respiration  sind  wohl  die  wichtigsten  therapeutischen  Maassregeln.
Was  unsere  Erfahrungen  in  dem  Nitrobenzol-Raume  anbelangt,
so  sind  dieselben  äusserst  günstig.  Ein  Fall  von  Nitrobenzol-Vergiftung ­
  kam  überhaupt  nicht  vor  und  dann  nimmt  der  betreffende
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.