Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

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Leber  (Eulenberg)  in  einzelnen  Fällen  in  ihren  Destillaten  mittelst  Chlorkalk
und  Chromsäure  eine  starke  Reaction  auf  Anilin.
Bezüglich  der  Wege  der  Einverleibung  im  Verhältniss  zu  der  Gefährlichkeit
der  Wirkung  ergeben  die  Thierversuche,  dass  Einathmungen  der  Dämpfe  am
spätesten  und  relativ  geringsten  wirken,  während  die  directe  Einführung  in  das
Blut  die  schnellsten  und  schwersten  Folgen  hatte.
Bei  den  klinischen  Beobachtungen  müssen  die  acuten  Vergiftungen  von
den  chronischen  getrennt  werden.
Viele  der  bis  jetzt  in  der  Literatur  verzeichneten  Fälle  sind  mit  grosser  Vorsicht ­
  aufzunehmen,  weil  nicht  überall  die  nothwendige  Trennung  der  Wirkung
des  Anilins  von  dessen  Derivaten  im  Auge  behalten  wurde.  Dieser  Punkt  ist  um
so  wesentlicher,  als  zu  der  Darstellung  der  Anilin-Derivate  d.  h.  der  Anilinfarben,
noch  vielfach  neben  anderen  unschädlichen  Stoffen  grosse  Mengen  von  Quecksilber
und  Arsenik  verwendet  werden,  und  hierdurch  die  Möglichkeit  einer  combinirten
Wirkung  von  Anilin  mit  Quecksilber  resp.  Arsenik  gegeben  wird.
Auf  der  anderen  Seite  liegt  jedoch  auch  eine  Reihe  von  Beobachtungen  vor,
die  sich  auf  die  Einwirkung  von  reinem  Anilin  beziehen,  so  dass  das  klinische
Bild  des  Anilismus  in  deutlichen  tfmrissen  gezeichnet  werden  kann.
Was  die  Entstehung  der  Anilin  Vergiftungen  anbelangt,  so  sind
weitaus  die  meisten  Folge  der  Einathmung  von  Anilindämpfen.  Eine  Resorption
durch  die  unverletzte  äussere  Haut  ist,  wenn  auch  möglich  und  in  einzelnen
Fällen  wahrscheinlich,  bis  jetzt  nicht  erwiesen  und  die  Einführung  des  Anilins
per  OS  dürfte  sich  auf  die  wenigen  Fälle  beschränken,  in  welchen  durch  Zufall
Anilin  geschluckt  wurde  ;  denn  zur  medicamontösen  Anwendung  wird  nie  Anilin,
sondern  nur  ein  oder  das  andere  Anilin-Salz  genommen.  Die  Möglichkeit  der
Einverleibung  von  Anilin  in  den  Magen  durch  den  Genuss  von  Nahrungsmitteln,
welche  mit  Anilinfarben  gefärbt  sind,  ist  zwar  nicht  von  der  Hand  zu  weisen,
weil  es  vorkommt,  dass  einige  Anilinfarben  noch  überschüssiges  freies'  Anilin
enthalten  :  wenn  man  aber  bedenkt,  welche  geringe  Quantitäten  von  Anilinfarben
genügen,  um  den  betreffenden  Nahrungsmitteln  die  gewünschte  Farbe  zu  geben,
und  weiter  in  Anschlag  bringt,  dass  die  diesen  Farben  anhaftenden  Mengen  von
nilin  immer  höchst  minimal  sind,  und  dass  es  eben  nur  einzelne  Anilinfarben
Sind,  bei  welchen  ein  Ueberschuss  von  freiem  Anilin  möglich  ist,  so  muss  man
le  Möglichkeit  der  Entstehung  von  Anilinvergiftung  auf  diesem  Wege  theoretisch
wohl  zugeben,  in  Wirklichkeit  wird  jedoch  eine  solche  wohl  nie  verkommen.
Was  die  Ausscheidung  des  Giftes  aus  dem  Körper  an  belangt,  so  sind  hier
Resultate  der  Thierversuche  von  den  klinischen  Beobachtungen  verschieden,
ährend  bei  den  Thierversuchen  der  Nachweis  von  Anilin  in  dem  Urin  erwiesen
ist,  liegen  für  die  klinischen  Fälle  keine  Beweise  eines  Gehaltes  des  Urins  an
Anilin  vor;  in  specie  war  uns  trotz  der  sehr  scharfen,  oben  angegebenen  Reactionen
in  keinem  Falle  von  Anilismus  trotz  massenhafter  Untersuchungen  in  den  verschiedensten ­
  Stadien  des  Anfalls  der  Nachweis  von  Anilin  in  dem  Urin  möglich.
Eine  Zersetzung  des  Anilins  im  Körper  derart,  dass  das  Anilin  zu  einem
violetten  Farbstoff  oxydire,  und  so  die  cyanotische  Hautfärbung  bei  Anilismus  be-<linge,
  wie  es  Turn  bull  annimmt,  wird  von  Bergmann  und  zwar  mit  Recht
bestritten,  während  die  Ausscheidung  des  Giftes  durch  die  Lungen  in  dem  starken
Gerüche  des  Athems  der  Vergifteten  nach  Anilin  eine  Stütze  hat.
            
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