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Die Wirkungen auf die Preise
Gelingt es nun, den Produktionsüberschuß von 0,1 Millionen Meterzentner
zu einem Verlustpreis von 30 Geldeinheiten (10 Geldeinheiten unter
den Produktionskosten) im Auslande abzusetzen, so kommen auf den
Inlandsmarkt nur 1 Million Meterzentner, weshalb dort der normale
Verkaufspreis zu erzielen sein wird. Die Rechnung ist dann folgende:
Verkaufspreis für 1 Million Meterzentner im Inlande
zu 50 Geldeinheiten.....50 Millionen Geldeinheiten
Verkaufspreis für 0,1 Millionen Meterzentner im Auslande
zu 30 Geldeinheiten..... 3 Millionen Geldeinheiten
Gesamterlös 53 Millionen Geldeinheiten
Produktionskosten für 1,1 Millionen Meterzentner
zu 40 Geldeinheiten. ....44 Millionen Geldeinheiten
Gewinn 9 Millionen Geldeinheiten,
Als besonders schädlich werden aber die billigen Auslandsverkäufe
für Rohstoffe und Halbfabrikate empfunden, weil dadurch die fremden
Veredlungsindustrien gegenüber den einheimischen bevorzugt erscheinen.
Zur Ausgleichung der Nachteile haben die Kartelle vielfach den das
teuere Material verarbeitenden Veredlungsindustrien im Inlande private
Ausfuhrprämien gewährt. So z. B. wurde im Jahre 1902 vom deutschen
Kohlensyndikat, Halbzeugverband und Trägerverband zur einheitlichen
Regelung der Ausfuhrvergütungen eine eigene Zentrale, die Abrechnungs-
stelle für die Ausfuhr in Düsseldorf, geschaffen. Solche Prämien sind
aber, so wird nicht mit Unrecht behauptet, vom Gutdünken der Kartell-
leitungen abhängig und bilden keine ständige Einrichtung. Das Dumping-
system ist aber gar keine Folge der Konzentration. Die Produzenten
eines Landes können nur dann dauernd billiger nach dem Ausland ver-
kaufen, wenn der Zollschutz so hoch ist, daß bei voller Ausnützung
desselben der Inlandspreis nicht bloß einen Gewinn, sondern auch eine
Entschädigung für die Verluste bei der Ausfuhr gewährt. Billige Auslands-
verkäufe können zwar auch bei knappem Zollschutz durch Ausfuhr.
kartelle organisiert werden, werden aber dann als Notexporte nur
vorübergehender Natur sein und nicht dazu dienen, eine fremde Ver-
edlungsindustrie gegen die heimische konkurrenzfähig zu machen.
Übrigens wird nach dem Auslande nur zu dem ohnedies dort geltenden
Preis verkauft, zu welchem sich die dortige Veredlungsindustrie ihr
Material auch anderweitig beschaffen könnte. Die Konzentration bietet
sogar eine Abhilfe gegen die Schleuderkonkurrenz, und zwar durch
die erwähnte im Fortschreiten begriffene Internationalisierung.
Die Betriebskonzentration schließt aber auch die Konkurrenz im
Inlande nicht aus. Bei den Kartellen ergibt sich eine solche schon daraus,
daß die Konzentration nur kommerzieller und nicht technischer Natur
ist, so daß der Wettkampf um die niedrigsten Produktionskosten be-