Full text : Die Theerfarben-Fabriken der Herren Meister, Lucius & Brüning zu Höchst a. Main, in sanitärer und socialer Beziehung

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rechtzeitig  verlässt.  Irgend  welche  Gesundheitsstörungen  bleiben  nie
zurück.
Günstig  auf  den  Verlauf  wirkt  der  Gebrauch  eines  salinischen
Laxans,  und  zwar  wird  in  Höchst  Bittersalz  oder  Karlsbadersalz  gegeben. ­
  Ungünstig  dagegen  und  stets  mit  entschiedener  Verschlimmerung ­
  der  bestehenden  Symptome  verbunden  ist  der  Genuss  von
Alkohol,  zu  welchem  die  Arbeiter  in  Form  eines  Schnapses  gegen
ihr  Gefühl  von  Mattigkeit  und  Schwäche  gern  ihre  Zuflucht  nehmen.
War  die  Einwirkung  der  Anilindämpfe  eine  längere,  oder  waren
die  Dämpfe  concentrirter,  wie  dies  durch  Verschütten  von  Anilin  in
spec,  bei  Durchtränkung  der  Kleider  mit  Anilin  vorkommt,  so  sind
die  Symptome  schon  schwerer.  In  diesen  Fällen  ist  der  Beginn  der
Krankheit  wie  bei  den  leichten:  Schläfrigkeit,  Schwindel,  Gefühl  von
Hinfälligkeit  u.  s.  w.  Diese  Symptome  steigern  sich  jedoch  in  mehr
oder  weniger  kurzer  Zeit.  Die  anfangs  livide  Farbe  der  Lippen  wird
dunkelblau,  selbst  schwarz.  Der  Gang  wird  so  unsicher  und  der
Schwindel  so  stark,  dass  der  Kranke  zu  Boden  stürzt;  der  Puls  ist
verlangsamt,  die  Temperatur  jedoch  wenig  alterirt;  die  Pupillen  sind
verengert;  die  Sensibilität  ist  vermindert;  die  ausgeathmete  Luft  hat
einen  deutlichen  Anilingoruch.  Kommen  die  Kranken  wieder  zu  sich,
was  sehr  oft  unter  Erbrechen  geschieht,  so  klagen  sie  über  heftigen
Kopfschmerz;  gegen  Nahrungsmittel  haben  sie  einen  förmlichen  Widerwillen. ­
  ln  einigen  Fällen  tritt  Strangurie  mit  dunklem,  dickem  Urin
auf  —  alle  diese  Fälle  gehen  jedoch  nach  wenigen  Tagen  in  Genesung
über,  wobei  es  vorkommt,  diiss  nach  Ablauf  aller  anderen  Symptome
der  vermehrte  Drang  zum  Urinlassen  noch  durch  mehrere  Tage  fortbcsteht.

ln  diesen  Fällen  sind  Reizmittel  in  Form  von  Ucl)crgieSsungen
oder  der  innerlichen  Anwendung  von  Aether,  Ti  net.  Mosch  i  etc.  indicirt.
In  noch  schwereren  Fällen,  deren  wir  noch  keinen  zu  beobachten  Gelegenheit ­
  hatten,  soll  nach  Hirt  der  Arbeiter,  nachdem  grosse  Mengen  Anilins  auf
einmal  inhalirt  resp.  verschluckt  wurden,  plötzlich  zu  Boden  stürzen;  die  Haut
ist  kalt  und  blass;  Lippen  und  Nasenschleimhaut  sind  blau;  der  Athem  riecht  stark
nach  Anilin;  der  Puls  ist  klein,  beschleunigt;  die  Itespiration  verlangsamt;  die
von  vornherein  herabgesetzte  Sensibilität  erlischt  allmälig  ganz  und  in  den
meisten  Fällen  erfolgt,  bisweilen  nachdem  Convulsionen  vorausgegangen  waren,
der  Tod  in  einem  comatösen  Zustande.
Auch  in  Bezug  auf  die  chronischen  Anilinvergiftungen  müssen  wir
uns  an  die  Schilderungen  von  Hirt  halten,  indem  wir  bis  Jetzt  eine  solche  nicht
beobachtet  haben,  lieber  dieselben  liegen  überhaupt  ausser  den  von  Hirt  in  Hyde
bei  Manchester,  wo  Anilin  im  Grossen  dargestellt  wird  und  die  Einwirkung  aller
            
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