Contents: Neueste Zeit (Abt. 3)

162 Fünfundzwanzigstes Buch. Drittes LKapitel. 
fest, hochstrebend, voll Feuer; aber unfähig, eine vorgefaßte 
Idee, ein Vorurteil, eine Parteianschauung irgendeinem Grund⸗ 
satze höherer Ordnung zu opfern.“ 
In der Tat, das war es: Bismarck stand der idealistischen 
Staatskunst der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts welten⸗ 
fern!. Gewiß hatte sich, im Gebiete der preußischen inneren 
Politik und an der Hand namentlich der Wirtschaftspolitik, 
schon der Minister Manteuffel von ihr zu emanzipieren be⸗ 
gonnen, gleichwohl blieb er noch immer in einem, wenn auch 
schwachen politischen Doktrinarismus befangen, der namentlich 
in einer grundsätzlichen Abneigung gegen die Liberalen zutage 
trat. Bismarck dagegen zeigte sich schon im Beginne der fünf⸗ 
ziger Jahre als Vertreter von nichts als Interessen⸗ und Macht⸗ 
politik: und deutlich trat der Unterschied seines Denkens gegen⸗ 
iber dem Manteuffels schon im Jahre 1853, gelegentlich der 
Zollverhandlungen mit Hannover zutage. Seit Mitte und gegen 
Ende der fünfziger Jahre war er dann in dieser geistigen 
Haltung so fest geworden, daß er von ihr aus auch die wichtigsten 
Zusammenhänge der äußeren Politik beurteilte; so bekämpfte 
er in der großen Denkschrift vom 18. Mai 1857 zum Beispiel 
aufs entschiedenste den Satz, daß sich eine legitime Macht nicht 
mit einer Dynastie verbinden dürfe, die aus der Revolution 
hervorgegangen sei, und machte aus seiner Behauptung die 
Nutzanwendung auf Frankreich. Dieser Standpunkt aber gab 
ihm dann zugleich eine erste, gleichsam aus dem Bewußten 
seines Denkens hervorquellende Freiheit in der richtigen Ein— 
schätzung der lebendigen politischen Kräfte überhaupt: und so 
ist er mit dem Fürsten Felix Schwarzenberg und der Königin 
Viktoria wohl einer der ersten gewesen, der Napoleon, eben wegen 
der Verbindung von Demokratismus und Imperialismus, auch 
als konterrevolutionäre Macht zu verstehen gewußt hat. Rechnet 
man nun hierzu noch das Unbewußte seiner politischen Kon⸗ 
zeption, die außerordentliche Empfänglichkeit seines politischen 
FEinpfindens für das Moderne, das Werdende, und bedenkt zu— 
S. dazu schon die Bemerkungen oben S. 51ff. ferner Bd. X, 455 ff
	        
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