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Auch bei diesen Erkrankungen lässt sich eine Wendung zur Besserung der '
sanitären Verhältnisse nicht verkennen, denn einmal ist die Zahl der Ajbgiter jn
den beiden Räumen, welche überhaupt nur in Betracht kommen, dem Reductions-
und dem Fuchsin-Raum, von 38 im Jahre 1878 auf 55 im Jahre 1878 gestiegen,
ferner wurden in diesen Räumen im Jahre 1878 mehr als noch einmal so viel
Anilin verarbeitet, als in dem Jahre 1874, und dann betrug die durchsclmiiÜicUe
Dauer einer Erkrankung im Jahre 1878 zwischen 5 und 6 Tagen, während die
durchschnittliche Dauer dieser Erkrankungen aus den 5 Jahren 9 —10 Tage war.
Diese günstigen Verhältnisse sind einestheils den verbesserten Ventilationseinrich
tungen in den Räumen und den vervollkommneteren Verschlüssen an den Appa
raten, anderentheils dèr genaueren Beobachtung der Arbeiter durch die Aufseher,
besonders an heissen Tagen, tuzuschreiben. Es gibt nämlich Fälle von Anilismus.
in welchen sich die Lippen der Arbeiter als Zeichen der beginnenden Intoxication
bläuen, ohne dass der betretende Arbeiter subjective Empfindungen der ihn ¡be
drohenden Krankheit hat. Wird hierauf von Seiten der Aufseher geachtet und'der
Arbeiter aufmerksam gemacht und veranlasst, den Raum zu verlassen, so koihmt
ein eigentlicher Anfall von Anilismus nie zum Ausbruch, sondern der Arbeiter ist im
Stande, nach wenigen Stunden seine Arbeiten wieder aufzunehmen. Auch wird es
mit der Zeit dahin kommen, dass Erkrankungen an Anilismus durch die eigentliche
Fabrikation, d, h. durch Entweichen von Anilin-Dämpfen bei derselben, entweder
ganz vermieden oder wenigstens auf ganz leichte Formen beschränkt werden,
während durch Verschütten von Anilin beim Ausleeren von Gefässen, in specie beim
Reinigen von Anilin-Apparaten oder durch Reparaturen an denselben die Gefahr
für Anilismns nicht ganz zu vermeiden sein wird.
Fälle von sog. chronischem Anilismus, wie diese von Hirt in Hyde bei Man
chester beobachtet wurden, kamen bis jetzt, trotzdem einzelne Arbeiter in den be
treffenden Räumen 6—10. ja 14 Jahre beschäftigt sind, nicht vor. Die Er
scheinungen dieses chronischen Anilismus sollen neben Sensibilitäts- und Motili-
täts-Störungen in Störungen der Verdauung und Erkrankungen der Haut be
stehen , — von solchen Symptomen konnten wir jedoch, weder bei den Arlæitern
in dem Fuchsin-, noch bei denen im Reductionsraum, etwas wahrnehmen. In dom
Fuchsinraum praevalirten zwar die Erkrankungen der Verdauungswerkzeuge der
art, dass von 88 in denselben vorgekommenen Erkrankungen 21, also ca. 25 pGt., j
auf die Verdauungswerkzeuge entfallen, allein in keinem einzigen Falle handelte
es sich hier um chronische AITectioncn; es waren dies stets leichte acute Magen-
und Pharyngeal Catarrhe, wie sie auch in allen übrigen Räumen.in specie auch i
bei den Hofarbeitern und in der mechanischen Werkstätte in gleicher Häufigkeit j
workommen. So entfallen z. B. bei dem Fuhrwesen von 32 Erkrankungen 23, !
also 72 pCt., in der mechanischen Werkstätte von 110 Erkrankungen 22, also
20 pOt., auf die Krankheiten der Verdaungswerkzeuge, — gewiss kein Unter
schied, der zu der Annahme einer schädigenden Einwirkung des Anilins auf die
Digestions-Organe berechtigte. Aehnlich liegen die Verhältnisse im Reductions-
raum, ln ihm kamen von 48 Erkrankungen 9, also nicht ganz 20 jtCt., auf die i
Verdanungswerkzeuge.
Auch einen Einfluss a uff Erkrankungen der Haut ergeben unsere Tabellei'
nicht, indem unter den 1 3(1 Erkrankungen in dem> Fuchsin- und Reductions-